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I. Teil
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Götzen Teil I.
Inhalt:
Quellenverzeichnis zum Teil I ---- 4 Seiten
Teil I (Nummeriert von 1-220;
aber durch a,b,c,d, usf.
Einfügungen) Total 228 Seiten
(unterteilt in
20 Abschnitte.)
Achtung!
Bei der Quellenverzeichnisnummer /39/
fehlt die Dokumenten Nummer. Es handelt sich um den Wetzelschen-Handschrift-Entwurf. Darf ich Dr. Servatius bitten, diese No. In das Quellenverzeichnis unter /39/ einsetzen zu wollen.
Adolf Eichmann
6 9 61.
/4/
Götzen
Inhalt:
Worte für den Lektor
Leitspruch + Widmung
Vorwort - - - - - - - - - 8 Seiten.
Adolf Eichmann
Haifa, den
6 9 61
/5/ AE: 1
Beim Anlesen und Überfligen(sic) dieses Manuskriptes, muß ich feststellen, daß es mir zu leer und zu oberflächlich erscheint. Auch habe ich die Absicht, mich mit dem Antisemitismus näher auseinanderzusetzen. Hierzu aber benötige ich noch einiges Quellenstudium. Aus diesen Gründen weiß ich nicht, und habe ich nicht den Mut zu entscheiden, ob dieses so bleiben kann wie es ist und in einem zweiten Manuskript gewissermaßen als Fortsetzung das mir fehlend Erscheinende zu bringen, oder ob ich dieses Manuskript gelegentlich vervollständigen soll.
An Dr. Servatius m. d. B. um Kenntnisnahme und Beurteilung.
(Unterschriftskürzel) XI. 61.
P.S. Es ist eben doch nicht so leicht, als Gefangener ein Manuskript von sich zu geben, welches dann erst noch einer Zensur unterzogen wird; da fühlt man sich beim Schreiben nicht frei genug; dies muß man berücksichtigen. Wäre es nur eine Lektorenzensur; oder wäre ich zurück, dann würde es sicherlich für mich als Skribent einfacher sein.
Am liebsten wäre mir, ich könnte es ausführlicher u. freundlicher neufassen.
(Unterschriftskürzel)
/6/
/The page numbered /19/ with Eichmanns
instructions to the censor and instructions
regarding the use of this manuscript, should,
in my opinion, be here.
E. Friesel,10/1999/
/7/ AE: (2)
Meine persönliche Meinung zuvor:
Die Art meines Schreibens ist eher süddeutsch-bajuvarisch zu nennen. Sollte der Lektor aus diesem Raume stammen, ist es möglich, daß es für das Buch von Vorteil wäre. (Es möge lediglich ein Hinweis sein; meine Meinung ist nicht kompetent.)
Betr.: Vermerk für den Lektor:
1.) Ich kann dieses Geschehen so sehr ich mich anfangs auch bemühte es anders stilistisch zu formen nicht anders wiedergeben, als in einem sachlich-nüchternen Amtsstil. Heitere Sachen zu schildern, liegen mir mehr; aber selbst eine leichtere, beschwingtere Feder ist hier, die Natur der Sache respektierend, abwegig.
Wenn andere eine gewisse Satzauflockerung vornehmen wollen, bin ich damit einverstanden, denn es ist möglich, daß es dadurch leichter lesbar wird; doch ist es mir am liebsten, wenn es so bleiben kann.
2.) Ich habe einfach darauf los geschrieben, so wie der Schreibstift es wollte; auf Interpunktionen und Absatzbildung nicht sonderlich geachtet. Solange der Sinn nicht verändert wird, bin ich mit textlicher Umgestaltung einverstanden. Auch Streichungen können vorgenommen werden; keinesfalls aber Hinzufügungen. z.B. das Vorwort könnte gestrichen werden.
3.) Der Teil I behandelt Schwerpunkte im seinerzeitigen Geschehen im Altreich + Österreich + Böhmen Mähren + Generalgouvernement, verbunden damit, die Stellung des Befehlsempfängers im Durcheinander mit seiner Innenschau.
Der Teil II befaßt sich mit den Reparationsangelegenheiten in 12 europäischen Ländern. Die Kristallpunkte sind dokumentarisch belegt und führen von Schwerpunkt zu Schwerpunkt.
Der Teil III spiegelt das Verhältnis zwischen
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dem äußeren Geschehen von damals und meinen inneren Gefühlen wieder und letzlich(sic), nach dem Sturz des eben noch Gültigen, sehe ich mich langsam und nach und nach, zu einer mich befriedigenden Weltbildvorstellung gelangen.
4.) Als Titel schwebt mir Götzen vor. Ich dachte auch schon an Gnothi seauton. Jedenfalls wünsche ich nicht, daß dem Buch ein anderer Titel gegeben wird, ohne mich vorher zu befragen. Ich stelle diese beiden daher zur Wahl frei. Ich bin auch damit einverstanden, falls Uneinigkeit bezüglich eines Titels entstehen sollte, statt meiner, die Einverständniserklärung meines Verteitigers(sic) Hr. Dr. Servatius einzuholen.
5.) Der Einband und Schutzumschlag möge einfarbig gehalten sein; etwa Perl.- oder Taubengrau, mit klarer linienschöner Schrift. Es ist klar, daß ich kein Pseudonym wünsche, da es nicht in der Natur der Sache liegt.
6.) Die Quellenangaben sind so zu verstehen:
Eins.) Teil I.
Eckige Umrandung mit fortlaufender Nummeration. Die Nummern geben im Anhang des Buches dann die Dokumentennummern der israelischen Staatsanwaltschaft wieder.
z.B. [1] Dokument 1182
/9/ AE: (4)
b.) Teil II.
Hier ist genau dasselbe wie unter a.), nur habe ich für das Manuskript die runde Umrandung (1) gewählt, aus dem einzigen Grunde, damit die Nummern nicht verwechselt werden.
Aber da beim Druck unter Umständen ja fortlaufend durchnummeriert wird, fällt sowohl runde, wie eckige Umrandung fort und es bleibt im Druck lediglich die Hinweisnummer auf das Quellenverzeichnis im Anhang stehen.
Die den Dokumentennummern vorausgesetzten Buchstaben besagen:
N=von Gericht angenommenes Beweisstück der Verteitigung(sic).
T=von Gericht angenommenes Beweisstück der Anklage.
(Viele der unter T laufenden Dokumente wurden auch seitens der Verteitigung(sic) eingebracht; sie behielten(sic) aber, da das Gericht das Stück ja schon hatte, mit der T-Nummer stehen).
Es fehlen mir bei einer ganzen Anzahl
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der Dokumenten-Nummern die Gerichtsnummeration; ich habe sie leider auch nicht. Aber Hr. Dr. Servatius resp. Herr RA Westenbruch sind im Besitze einer Liste, aus der diese sofort zu entnehmen sind.
7.) Ob die von Herrn Dr. zur Verfügung gehaltene Zeittafel zu den 5 Skizzen ebenfalls dem Anhang zugefügt werden sollen, überlasse ich Hr. Dr. Servatius.
8.) Ich bitte Herrn Doktor Servatius, dem Verlag Auftrag geben zu wollen, an meinen Freund, dem(sic) Prior des Präm. Klosters (Fr. Bernardus) ein Exemplar zu schicken, ebenfalls der Studentin nach Kanada, mit freundl. Grüßen von mir. Meine Brüder mögen bitte dafür sorgen, daß meine Frau zehn Exemplare bekommt, die sie in meinem Namen an meine Freunde, die sie nach eigener Wahl bestimmen mag, sowie an meine Söhne mit der Bemerkung versieht:
Eins.) Im Auftrage meines Mannes mit freundlichen Grüßen und der Bemerkung So war es, übersandt
Name m. Frau.
Zwei.) Im Auftrage Deines Vaters lieber (Name des Sohnes) mit herzlichen Grüßen gewidmet.
9.) Ein Exemplar für mich.
Adolf Eichmann
Haifa, den 10-9-61.
/11/ AE: 3
/Pages /11/ to /17/ were found here, although
they seem to belong to the drafts.
E. Friesel, 10/1999/
---- und er würde seine Schattenwelt
für wahr, die wahre Welt aber für
unwirklich halten.
Aus Platons Höhlengleichnis,
Staat; 7. Buch.
/12/ AE: 4
Bemerkung: Dies Manuskript (Vorw., Teil I-III) gilt solange als noch nicht abgeschlossen, bis ich eine letzte Lesung vorgenommen habe; es ist dies eine von mir eingebaute Sicherung, damit nicht Wortkonstellationen, zu meinem Nachteil falsch ausgelegt und gedeutet werden können. /Satz gestrichen, aber noch lesbar: Die letzte Lesung erfolgt erst nach der Besprechung mit Dr. Servatius./
/von hier bis S. 15 unten durchgestrichen, einzelne Zeilen unleserlich gemacht/
Ich befinde mich im Gefängnis in Israel. Die Beweisaufnahme ist abgeschlossen und in acht Tagen folgen die Plädoyers des Generalstaatsanwaltes und meiner Verteitigung(sic). Es werden sodann etwa zwei bis drei Monate vergehen, bis der Gerichtshof zu einem Urteil gelangen wird. Möglicherweise geht es dann weiter an die höhere Instanz; möglicherweise auch nicht. Wie dem auch sei; ich sagte während des Prozesses einmal auf eine Frage des Anklägers im Kreuzverhör, darauf werde ich antworten, wenn ich mich eines Tages hinsetzen werde um an die jetzige und kommende Jugend, zu ihrer Warnung, einige Kapitel zu schreiben. Vorausgesetzt, daß ich dazu die Genehmigung erhalte. Dann würde ich das Kind beim Namen nennen.
Nun, der Präsident des Gerichtshofes verlangte die Nennung bereits während des Verfahrens von mir. Ich gehorchte und sagte, daß das Geschehen mit den Juden, welches die damalige deutsche Reichsregierung während der Jahre des letzten großen Krieges ins Werk setzte, das kapitalste Verbrechen in der Menschheitsgeschichte darstelle.
Ich habe mich also entschlossen, die Zeit des Wartens auf das Urteil zu benützen, besser gesagt auszunützen, und daß(sic) in die Tat
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umzusetzen, was ich verkündete. Es dürfte kaum schaden; eher hingegen zum Nachdenken anregen, wie es einem Menschen so im Leben ergehen kann. Ich war von tausend Idealen beseelt und schlitterte gleich vielen anderen in eine Sache hinein, aus der man nicht mehr herausfand. Ich habe heute einen zeitlichen Abstand von den Geschehnissen, der zwischen 16-29 Jahren liegt. Und vieles ehemals Gültiges ist ungültig geworden. Ehemals weltanschauliche Werte habe ich als Gerümpel, allmählich im Laufe der Jahre über Bord geworfen. /8 Zeilen bis Ende des Abschnitts unleserlich gemacht/
Weil ich Hölle, Tod und Teufel sah, weil ich dem Wahnsinn der Vernichtung zusehen mußte, weil ich als eines der vielen Pferde in den Sielen mit eingespannt war und gemäß dem Willen und den Befehlen der Kutscher weder nach links noch nach rechts ausbrechen konnte, fühle ich mich berufen und habe das Verlangen, hier zu erzählen und Kunde zu geben von dem, was geschah. Es ist sicher ein trauriges Resumée, wenn ich feststellen muß, daß ich in der Lage bin, das
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ungeheure Volumen alleine der organisatorischen Voraussetzungen, welche das Geschehen ermöglichten, zu umfassen und zu übersehen. Die meisten jener Akteure, die ja nun so oder so in die Geschichte eingehen werden, kannte ich, sprach zum Teil mit ihnen und vermag sie annähernd zu beurteilen.
/2 Abschnitte von 8 bzw. 5 Zeilen unleserlich gemacht/
Ich werde das Leben jener Zeit schildern, so wie es war, so wie ich es erlebte und gesehen habe. Nichts werde ich zu beschönigen versuchen. Ich schreibe zu niemandes Ruhm und Ehre; was sind es für verlogene, selbstbeweihräuchernde Begriffe! Was ich gestern noch glaubte anbeten zu müßen, liegt heute im Schutt des Gestürzten.
Ich werde den Völkermord am Judentum schildern, wie er geschah und gebe dazu meine Gedanken von gestern und heute. Denn nicht nur die Felder
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des Todes mußte ich sehen mit eigenen Augen, die Schlachtfelder auf denen das Leben erstarb, ich sah weit Schlimmeres. Ich sah, wie durch wenige Worte, durch den einzigen knappen, kurzen Befehl eines Einzelnen, dem die Staatsführung als Befehlsgeber dazu die Macht verlieh, solche Lebensauslöschungsfelder geschaffen wurden. Und ich sah die Unheimlichkeit des Ablaufens der Todesmaschinerie; Rädchen in Rädchen greifend, gleich dem Werk einer Uhr. Und ich sah jene, die da achteten auf den Gang des Werkes; auf den Fortgang. Ich sah sie, das Werk stets von neuem aufziehen; und sie beobachteten den Zeiger der Sekunden, welche eben dahineilten; dahineilten, wie die Leben zum Tode.
Den größten und gewaltigsten Totentanz aller Zeiten.
Den sah ich.
Und ihn zu beschreiben, zur Warnung schick ich mich an. Adolf Eichmann
6 9 61.
/3 nachträgliche Zusätze:
(Siehe dazu meine Fußnote bezüglich der Wortwägung. Gilt sinngemäß für alle Kapitel.)
(Anschließend folgt mein Schlußwort, welches ich in meinem Prozess zu Jerusalem gehalten habe.)
Bemerkung: Man darf diese und andere schriftstellerischen Worte keinesfalls mit der Waage der juristischen Paragraphen wägen.
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Götzen
Dieses ist mein Schlußwort, welches ich in dem Prozess zu Jerusalem am /Platz für Datum offengelassen/ 1961, gemäß meinen Erfahrungen und gemäß meinen Empfindungen, gehalten habe:
/17/ AE: 8.
/I. Teil, unleserlich gemacht/
/18/ AE: 1
Teil I
-(1)-
/3 Zeilen samt Zusätzen unleserlich gemacht, die 4. durchgestrichen, aber leserlich:
weiß, mit wem man es zu tun hat./
Als ein Menschenkind, trat ich am 19. März 1906 in das Leben. In Solingen, im Rheinland, wurde ich geboren, als erster Sohn der Eheleute Wolf und Maria Eichmann. Wenige Tage nach meiner Geburt wurde ich auf den Namen Adolf Otto, nach dem Ritus der evangelischen Konfession, helvetischer Richtung, getauft. Noch als kleines Kind zog ich mit meinen Eltern nach Linz a/Donau, Oberösterreich, wo mein Vater als kaufmännischer Direktor der Linzer Straßenbahn und Elektrizitätsgesellschaft tätig war und sich glaublich(sic) in den zwanziger Jahren pensionieren ließ um ein Elektrowarenunternehmen zu gründen.
Nach Besuch der Volksschule und vier Jahren Realschule absolvierte ich zwei Jahrgänge einer höheren technischen Bundeslehranstalt. In den Jahren 1925 bis 1927 war ich als Verkaufsbeamter der Oberösterreichischen Elektrobau A.G. in Linz a/Donau, sodann bis Juni 1933, als Verkaufsbeamter der Österreichischen Vacuum Oil Company A.G., Filialdirektion Linz und Salzburg, tätig gewesen.
Das damalige Linz a/Donau war ein verträumtes, kleines, liebliches und sauberes Provinzhauptstädtchen, im Zentrum des vorwiegend bäuerlichen Oberösterreich. Da war das weizenschwere Innviertel, das
/19/
/Found here. In my opinion, belongs
to page numbered /6/.
E. Friesel, 10/1999/
Bemerkung für die Zensur:
1.) Diese schriftstellerische Arbeit kann nicht mit der Waage der Rechtsparagraphen gewogen werden. /Signaturkürzel/
2.) Dieser Manuskriptverband darf ohne der Zustimmung von Dr. Servatius, nicht veröffentlicht werden. (Gilt für das gesamte Manuskript).
Ich bin mit Dr. Servatius dahingehend verblieben, daß, falls er dieses Manuskript nicht zur Veröffentlichung ausgehändigt bekommt, (und zwar bis zu seiner Rückkehr nach Deutschland vor Weihnachten) ihm Gelegenheit gegeben sein möge, bei der Vernichtung des Geschriebenen, anwesend zu sein. /Signaturkürzel/
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braunkohlenreiche Hansruckviertel, das damals schon dem Fremdenverkehr sehr erschlossene Traunviertel mit seiner Perle Gmunden am Traunsee, und dem oberösterreichischen Hausberg, dem Traunstein, dem Wächter der beginnenden Hochalpenwelt.
Ganz besonders verliebt aber war ich in das reizvolle Mühlviertel. Das Viertel, der vielen sagenumwobenen Ruinen und Burgen. Und hier war es das obere Mühlviertel, daß(sic) ich ganz besonders in mein Herz geschlossen habe.
Die Heimat eines Adalbert Stifter; der ewige Böhmerwald, dessen Ausläufer tief in das Obere Mühlviertel hineingreifen, mit den romantischen, braunwässerigen, kleinen linken Flüßchen. Die vielen hurtigen forellenbewohnten Bäche, die sich durch das, gegen die Donau zu abfallende, böhmisch-mährische Granitplateau, seit undenklichen Zeiten ihren Weg zum großen Wassersammler Donau, bahnen.
Diesen herrlichen Fleck der Erde durfte ich meine zweite Heimat nennen und in diesem Kleinod Oberösterreich, verlebte ich dank der steten Fürsorge meiner Eltern eine herrliche, unbeschwerte Jugendzeit.
Und auch als junger Mann wie man zu sagen pflegte waren es Tage von Liebe, Lenz und Leben, die mir geboten wurden. Motorsport, Bergsport, Arbeit, Kaffeehaus, Freunde auch Freundinnen warum auch nicht füllten die Tage und Jahre aus.
Gar manche heimelige Weinstube lockte
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zur Einkehr und in ihren alten Gemäuern ließ es sich gut sitzen. Eine solche Weinstube kannte ich, deren Existenz bis in das dreizehnte Jahrhundert zurückzuverfolgen war. Und der Gumpoldskirchner schmeckte nach jedem Viertel besser auch ohne Schrammeln und Zigeunermusik. Man lebte im Phäakenland; eben in Oberösterreich. Und fuhr man auf den Postlingberg, das Wahrzeichen von Linz, dann war der erste Weg mit der kleinen Freundin, zu Meister Bugele, dem Obergärtner der herrlich-schönen Gartenanlagen auf diesem Berg, mit seinen tausend oder mehr Rosenstöcken. Ihn um einen Strauß Rosen für die Angebetete zu bitten, war für diesen Meister der Blumen, Sträucher und Bäume stets große Freude, kannte er mich doch schon als kleinen Lausbuben, wenn ich Samstags an der Hand meines Vaters, die Anlagen besuchte. Mein alter Herr hatte seinerzeit viel zur Hebung dieser Augenweide, welche damals zum Besitztum der Linzer Straßenbahn- und Elektrizitätsgesellschaft gehörte, getan und meinen Freund Bugele, zum Obergärtner dieses Paradises(sic) bestellt.
Nichts hätte diese heiter-frohe und unbeschwerte Lebenslust zu stören vermocht wären die Götter nicht auch bis nach Oberösterreich gekommen. Bei mir klopften sie bereits seit 1931 an, und ab und an auch schon früher; sie vereinnahmten mich dann genau am 1. April 1932.
/22/ AE: 4
Ja Freunde, heute zurückschauend, es sind bald 30 Jahre her, muß ich sagen wenn es dem Esel zu gut geht, dann geht er aufs Eis, um zu tanzen.
-(2)-
Nun ja, es gab damals verschiedenartig eingestellte junge Leute, so wie es solche zu allen Zeiten gegeben haben mag und immer geben wird. Ich war durch die Schule und Gesellschaft in der ich mich bewegte, kurz durch meine Umgebung die mich beeinflußte und welche Umgebung vermag einen jungen Menschen nicht zu formen zur nationalistischen Richtung hin gelenkt worden.
Und welchem Nationalisten brannten nicht /gestrichen: die Worte/ das Wort Versailles. Natürlich verstand man im Anfang nichts davon. Aber das Verständnis hierfür wurde schon geweckt; Zeitungen, Gespräche und Bücher sorgten dafür. Und man erzähle einem jungen Menschen in dieser Richtung tendierend, von nationaler Schmach, von Verrat, vom Dolchstoß, welcher der deutschen Armee zuteil ward, von nationaler Not und Elend; Herrgott, da packt es einen halt, da gerät das Blut in Wallung. Und dann hört man durch die Propaganda, daß da eine Partei ist, welche die Schmachbeseitigung auf ihr Banner geschrieben hat. Die Beendigung der nationalen Nöte versprach, den Dolch aus der Wunde zu ziehen sich anschickte, die Gleichberechtigung auf dem wehrmäßigen Sektor zu erkämpfen bestrebt war und die Arbeitlosgkeit in die unterste Hölle verdammte. Und dann
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sitzt man in solch einem Weinstüberl, vor seinem Viertel, im Bierstüberl vor seinem Krügerl oder im Caffee vor seinem Schwarzen und liest den Völkischen Beobachter, man liest vom Tod der SA und SS-Männer; man ließt(sic) heldische Worte über heldischen Tod; über mannhaftes Sterben und furchtlose Treue. Und ich sag es noch einmal, welchen Burschen, nationalistischer Tendenz, packte es da nicht.
Da war kein Wort von Jude und Judentum; und laß(sic) man es ab und zu in besonderen Artikeln, wer nahm solches ernst? Wer machte sich dieserhalb überhaupt Überlegungen. Mag sein die Älteren und Alten. Uns Burschen interessierte alleine, und einzig und alleine, das Heldische. Mit zu helfen an der Beseitigung, an der Ausrottung einer Schmach.
Rot sah man beim Wort Versailles. Bereit zu allem, dieses Wort, im Sinne von Schmach, zu vernichten, zu zerstampfen; dafür auch wenn es sein muß zu leiden. Es mußte ausgelöscht werden. Und diejenigen, welche dazu aufforderten waren unsere Götter.
So muß es in alten, in uralten Zeiten gewesen sein, wenn man den Heldensagen trauen konnte.
Aber warum sollte man ihnen denn nicht trauen?
/24/ AE: 6
Die >Herzöge<, die >Gefolgschaft<; die Herzogstreue und Gefolgschaftstreue. Ich verschrieb mich den Göttern mit Haut und mit Haren(sic). Ja, teilweise diesen Göttern zuliebe verließ ich das Landel ob der Enns, mein geliebtes Oberösterreich. Freilich war der Abschied vom Landl schwer, der Abschied von Eltern und Geschwistern; der Abschied von meiner Verlobten. Vorbei war das regelmäßige Wochendverleben(sic) in fröhlicher Zweisamkeit, sei es in Südböhmen, sei es in Oberösterreich. Vorbei war es, eigener Herr seiner Zeit zu sein. Fremdes, Unbekanntes lag vor mir. Aber Dienst an den Göttern, meinem Vaterland zuliebe schien mir gleichwichtig zu sein, denn sonst wäre ich ja geblieben.
Tausend und mehr Stränge zogen mich zu bleiben, aber ebenso viele zogen mich zu den Göttern.
Und ich diente ihnen.
Ich diente ihnen mit dem ganzen Glauben den ich aufzubringen vermochte;
kein Opfer schien mir zu gering.
Keine Strapaze zu groß.
Ja, je größer Opfer und Strapazen und Entbehrungen, desto größer schien mir die Tat für das Werk, welches die Götter versprachen zu tun.
Schlafen auf nackter Erde, im Stroh, auf Strohsäcken, scharfer und schärfster
/25/ AE: 7
Exerzierdienst bei der Truppe; vom Robben abgeschundene Ellenbogen und Knie; Kadavergehorsam und Einschränkung der Freizügigkeit tauschte ich ein, gegen das gutbürgerlich eingerichtete behagliche Elternhaus, gegen Kaffeehaus und Weinstüberl, gegen Motorsport, Bergsport und dem Zusammensein Jungverlobter. Wahrlich, ich diente den Göttern aus freien Stücken; wahrlich ich opferte ihnen zuliebe viel.
Aber was galt es schon; wenn nur das Vaterland frei werden konnte und Not und Elend der Deutschen ein Ende fand.
Im Jahre 1934, an einem sonnigen Herbstmorgen kam ich von dem ersten Bataillon des Regimentes SS 1 nach Berlin, zum SD-Hauptamt versetzt, am Anhalter Bahnhof an. Nach durchfahrener Nacht war eine kleine Erfrischung sehr wichtig und brauchbar. Ich begab mich in einem(sic), dem Bahnhof gegenüberliegenden, Friseurladen und ließ mir nach erfolgter Rasur, heiße Kompressen aufs Gesicht legen, um die Übernächtigkeit zu verscheuchen. Und schlenderte sodann in eine Aschinger-Kneipe, gleich neben dem Friseur. Einige Mollen Helles und ebensoviele Schnäpslein, dazwischen ein ordentliches Gullasch(sic)
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mit frischen, knusprigen Brötchen, waren just das richtige Frühstück für einen Unteroffizier in der SS-Verfügungstruppe, der Vorläuferin der späteren Waffen SS.
Als solcher hatte ich mich freiwillig zum Sicherheitsdienst des Reichsführers SS, gemeldet. Sicherheitsbegleitpersonal für die Götter. Warum auch nicht; ich stellte es mir sehr interessant vor. Erst später sollte ich draufkommen, daß ich einem Irrtum zum Opfer gefallen war. Das Begleitpersonal für die Götter hieß Reichssicherheitsdienst. Der Sicherheitsdienst des Reichsführers SS, war etwas ganz anderes.
Vorläufig ahnte ich aber noch nichts.Vorläufig suchte ich ein Kaffeehaus. Kaffee war für alles gut. Gut zum dösen, gut um den Geruch von Aschingers Biermollen zu töten und bei der Truppe benutzten wir ihn Jahr und Tag zum Fleckenputzen an unseren schwarzen Uniformen. Freilich, zum Exerzierdienst hatten wir feldgrau oder was am lästigsten war, hellgraue bis fast an das Weißliche grenzende Drilliche, welche leicht schmutzten.
Mit souveräner Unteroffiziersruhe im Bauch, begab ich mich nun zu der mir befohlenen Dienststelle, ein Palais in der Wilhelmstraße 102, um mich zum
/27/ AE: 9
Dienst zu melden. Ob ich verheiratet oder ledig sei. Dies war die erste Frage, die mir der Offizier vom Dienst stellte. Ledig. Natürlich, meine Braut war ja in Südböhmen, und an eine Heirat wegen meiner vorübergehenden Verhinderung im Augenblick nicht zu denken.
Ledige sind kaserniert; wenn Sie heiraten, können Sie draußen wohnen, gab man mir zur Antwort.
Na schön dachte ich mir, irgendwo muß der Mensch ja hingehören. Zu den Eltern, in die Kaserne oder zur Ehefrau.
Also ging ich zum Kammerbullen. Bisher hatten wir Unteroffiziere stets so eine Art stillschweigend geduldeter Ordonanzen zur persönlichen Dienstleistung zur Verfügung gehabt; je vier Unteroffiziere eine Ordonnanz(sic). Er trank frei, rauchte frei auf unsere Kosten und hatte seine vier Unteroffiziere zu Freunden, die ihn gegen Tod und Teufel verteitigten(sic), fraß er etwas gegen das Dienstreglement aus. Außerdem hatte er nur allerleichtesten Exerzierdienst. Aber meistens verstand er es, sich sogar von diesem zu drücken.
Hier aber schmiß mir der Kammerbulle meine blauweißkarrierten Bettklamotten an meinen persönlichen Kragen; Decken und Leintuch folgten und dann damit auf die Stube.
Was dann noch an Kramzeug mehr war,
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war der übliche Kasernenzinober(sic), war altbekannt und nichts Neues.
Nachmittags wurde ich vereidigt. Zwar hatte ich beim Tode des Reichspräsidenten Generalfeldmarschall von Hindenburg den Fahneneid auf Führer, Reichskanzler und Vaterland geleistet; jetzt also nochmal, aber in einer anderen Form; mit der Geheimhaltungsverpflichtung.
Mich hatte es an sich schon mehr als stutzig gemacht, als ich zwecks Eidesleistung im Dienstanzug mit Stahlhelm, zu einem SS-Offizier geführt wurde und dabei einige museumähnliche Räume durchschreiten mußte, auch sah ich einen Sarg in einem dieser Räume stehen, mit großer Glasplatte, indem(sic) ein menschliches Gerippe lag, aber ich hatte zu sehr auf meine Füße zu achten, denn meine schweren Stiefel vertrugen sich nicht mit dem glatt gewichsten, glänzenden Fußboden und bei Kurven hatte ich Mühe nicht auszurutschen.
Merkwürdig dachte ich mir; alles sehr merkwürdig. Aber möglicherweise war der Stab in einem Museum untergebracht, ging es mir durch den Sinn. Man fand die Dienststellen in jener Zeit ja an allen Ecken und Enden, wo man sie nie vermutet hättte. Außerdem kam ich von der Truppe und hatte mich um solchen Kram
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nicht zu kümmern. Behandelt wurde ich ohnedies, als sei ich Rekrut, der eben erst frisch eingezogen war. Und es ist erstaunlich, zu welchem Maß an Leiden, einem(sic) eingedrillter Kadavergehorsam mit einem gehörigen Schuß Idealismus gepaart, fähig macht. Natürlich muß es jedem rechtschaffenen Unteroffizier schwer, sehr schwer fallen, wenn er im Verein der elf weiteren Stubengefährten, mit denen er zusammenwohnte, von denen nur zwei, ebenfalls gediente Unteroffiziere waren, der Rest aber eine Kaserne höchstens vom Höhrensagen(sic) kannte - allenfalls, auf Grund eines Schnellsiederkurses von acht Wochen, - Samstag für Samstag den Boden zu schruppen, die Hocker und Tische zu scheuern hatte und im Spind nach einer anderen, neuartigen Ordnung die Klamotten zu legen kamen (sic). Und sich dabei von einem Feldwebel der allgemeinen SS also zivilen SS, der ebenfalls als Waffenträger der Nation seine Dienstzeit noch nicht einmal angefangen hatte, sondern seinen Rang in dem SD, von der allgemeinen SS, also Zivil SS, mitbrachte, kommandieren zu lassen, wobei ihm seine herzliche Genugtuung, es den Herrn Unteroffizieren von der Truppe einmal geben zu können, auf tausend Meter Entfernung, anzumerken war.
Es war auch keine Freude, früh morgens im Park des Palais, zum Exerzieren
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anzutreten. Nicht des exerzieren Wegens (sic); dies war im Gegenteil noch das einzig erfreuliche(sic) an dem ganzen Dienstbetrieb. Nein, das Wurmende und der nagende Zorn kam daher, daß Hanswürste denen selbst die Bedienung an einem Maschienengewehr(sic) fremd war, Sonntagsexerziermeister der allgemeinen SS also, uns hier die ödesten und blödesten Bewegungen machen ließen; wir drei Gedienten der Stube zwölf, wurden durch diese Taktik zwar bis an den Rand unserer Geduld getrieben; aber wir parierten; wir gehorchten.
Nach wenigen Tagen kam ich dahinter, daß ich an der verkehrten Stelle gelandet war, und ein Abgang zum Reichssicherheitsdienst, nicht gestattet wurde.
Jetzt war der Galeerensträfling fertig. Mit unsichtbaren Ketten fühlte ich mich an einen Karteitrog angebunden und hatte die Aufgabe, im Verein mit einem halben Dutzend anderer Kameraden, die Freimaurerkartei, aus Zehntausenden von Karteikasten bestehend, zu schreiben, zu ordnen und einzuordnen.
Der schwerste Kampf, der in diesen Tagen auszufechten war, war der Kampf gegen den Schlaf.
Man wird einwerfen, ja großer Herrgott, wenn ich irgendwo gegen mein Wollen mit einer Arbeit, welche mir gegen den
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Strich geht, als freier Mensch, eingespanntt werden soll, da macht man einfach Schluß damit, oder man ist ein Waschlappen, dem eben nichts besseres gebührt. Kaserne na ja, gut und schön; da hat man zu gehorchen, daß(sic) weiß ein jeder. Aber in einer Kanzlei, in einem Amt, da hau ich einfach auf den Tisch, sage meine Meinung und wetze aus dem Tempel raus. Noch dazu wenn man inzwischen ein Kerl von 28 Jahren geworden ist.
Genau dieselben Gedanken hatte auch ich um jene Zeit und mit mir eine Anzahl meiner Stubengefährten.
Aber da waren die Götter, denen ich ja dienen wollte.
Und die weltanschauliche Schulung, der man uns am Anfange unterzog, brachte uns noch näher an sie.
Das Leben des alten Preußenkönigs, Friedrich des Großen wurde uns in den lebendigsten Formen, von Meistern auf diesem Gebiete, lebensnahe gebracht.
Volksbindung und Blutsbande in den leuchtendsten Farben idealisiert.
Der Dienst am Volk, der Dienst am Führer als ein geheiligtes Privilegium gepredigt. Für die Freiheit des Vaterlandes alles hinzugeben, als höchste Verpflichtung und freudiges, jederzeitiges Wollen, eingehämmert.
Und ich glaubte es; mit allen Fasern
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meines Glaubens, den aufzubringen ich in der Lage war.
So tat ich denn meinen Dienst; Schreibtischdienst, der mir weder physisch noch psychisch lag; der für mich eine Qual bedeutete; zu dem ich mich jeden Tag aufs Neue selbst kämpfend besiegen mußte, ehvor ich an das befohlene Tagewerk ging.
(3)
Der Mensch gewöhnt sich an alles, wenn es sein muß. Und nachdem die Macht der Gewohnheit große Prozentsätze des Widerwillens an der nichtbehagenden Tätigkeit verschluckt hatte, die weltanschaulichen Belehrungen einen weiteren Teil unter den Tisch schlug(sic), blieben relativ nur noch geringe Rückstände des Widerwillens an der Oberfläche und auch diese wurden alsbald übertüncht durch die nicht ableugbaren Erfolge der Führung des Reiches, die sie für das deutsche Volk erlangten. Die große politische Linie sah unsereiner ja nicht. Auslandsmeldungen durch Presse und Rundfunk gelangten noch nicht zu uns; dazu waren wir zu geringe Diener an Volk und Staat. Die internationalen Verflechtungen im politischen Geschen(sic), waren damals auch mir noch Böhmische Dörfer.
Aber auch ich sah das Verschwinden der Arbeitslosenarmeen, die Militarisierung der Rheinlandzone,
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die Wiederherstellung der Wehrhoheit; den frenetischen Jubel der Millionenmassen, wenn die Götter sich zeigten. Und meine Verhaftung an diese war eine stets fühlbarere.
Aber es waren schließlich doch nur irdische Götter. Bewußt und unbewußt wehrte ich mich, ihnen mit meinem allerletzten inneren Ich zu verfallen. Das Vaterland, die Freiheit, ja.
Bedingungslos!
Die Seele, daß(sic) was dann kommt, wenn die Stunde da ist, und diese irdischen Werte aufhören Gegenstand des Hoffens, Glaubens und Wirkens zu sein, dies behielt ich als ein Privatissimum, über welches ausschließlich nur ich selbst entscheiden konnte und wollte. Hier ließ ich auch die Götter nicht heran, so sehr ich ihnen sonst gläubig verfallen war.
Hier war die elterliche Erziehung und die innere Bindung an die von Generation zu Generation überlieferten Werte noch zu stark, um dem Einbruchsversuchen(sic) nachzugeben. Hier war ich stur.
Stur wie die neuen schweren Panzer, welche eben zur Hebung der Herzensfreude und als sichtbare Garanten der Freiheit, in Erscheinung traten.
Stur wie die Kurse der neuen Bombengeschwader, welche unbeirrbar am
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berliner Himmel dahindonnerten.
Meine Bindung an die Kirche! Fast alle meine Kameraden waren längst aus den Religionsgemeinschaften ausgetreten und wetzten nun den Schnabel in Zoten und Verleumdungen gegen Kirche und Klerisei.
Und hatten sie Alkohol im Bauch, dann wollte damit einer den anderen, im Wettstreit mit ihrer Dummheit, übertrumpfen. Natürlich war ich dann stets besonders eine willkommene Zielscheibe, freilich nicht böse gemeinten, Kameradenspottes. Schon in der Kaserne fing es an. Es gehörte zum neuen Ton, selbstverständlich den Kirchenaustrittschein zu bringen. Nicht daß von seiten der Obrigkeit darauf gedrängt wurde; dies wäre unwahr. Mag sein, daß dies im Parteileben üblich war. Bei den SS-Verfügungstruppen und selbst auch im SD-Hauptamt, war es nicht üblich. Aber der Kameradenspott grob, ja saugrob, freilich landserhaft gutmütig, doch nicht ohne Stachel und Dorn, der sorgte dafür und auch die Hoffnung auf schnelles Avancement tat das ihre, diese Austrittsscheine im allgemeinen baldigst zu holen.
Bei der Truppe hatte ich dieser halb bald Ruhe.
Denn wie es unter jungen Menschen schon einmal so üblich ist, zählte alles andere oftmals nicht halb so viel,
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wenn der Betreffende ein guter Sportler ist.
Das gefürchtete Gerät in jener Zeit, war die Eskladierwand. Eine zwei Meter und einiges, hohe und starke Bretterwand, über die es in mehr oder weniger eleganter Weise hinüber zu wetzen galt. Hier arbeiteten die Hintern, Knie und Fußspitzen, verzweifelt mit der Muskulatur der Arme, um die runden 70 Kilogramm Landserlebendgewicht, auf die andere Seite zu befördern.
Die Taugenichtse gingen in das Vermerkbuch des Spieß; zwecks Dienstleistung in der Küche zum verhaßten Kartoffelschälen, zum Abortbrillenputzen, denn gelernte Optiker gab es stets nur sehr wenige, oder gar keine, und diese Tätigkeit wurde dann meistens von diesen Nichtskönnern verlangt, wenn die übrige Kompanie Ausgang hatte, und mit Fräulein Braut ins Grüne abhauen konnte.
Ich hatte den Vorzug in jener Zeit hatte ich noch eine turnerische und sportliche Ader mühelos und sogar elegant über jene Wand zu kommen und wurde auszeichnungshalber, zwecks leichter Hilfeleistung, welche nur mit Fingerspitzen gegeben werden durfte, vom Kompaniechef abgestellt. Dies war eine übliche Erleichterung.
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Aber in der Regel hatten die Hilfeleister ihre allergrößte Freude an einer Behinderung und Erschwerung, statt umgekehrt. Dies gehörte ebenfalls zum allgemeinen Flachs und Ulk. Freude auf Kosten anderer. Ja, das Kasernhofleben war eben rauh aber herzlich. Ich leistete damals in Wahrheit, vorzügliche Hilfestellung. Es genügte meist ein leichter Druck auf eine der in der Luft herumorgelnden Hinternbacken, und der Kerl war drüber. Das Zünglein an der Wage(sic) gewissermaßen. Und da gerade Samstag vormittag war und der Stabsfeldwebel keine Notierungen zu machen hatte, kamen die Herren der Kompanie alle mit ihren geehrten Bräuten zu ihrem Wochenendvergnügen.
Ich wurde seit damals, so wenig die Motive selbst auch zusammenhingen, in religiösen Dingen nicht mehr belästigt.
Als ich 1935 Hochzeit machte, fand diese in der evangelischen Kirche zu Passau statt; in Uniform.
Hier freilich versuchten meine damaligen Vorgesetzten zu intervenieren und wiesen auf die Unmöglichkeit hin.
Aber die Panzer waren ja auch stur.
Erst im Herbst 1937, ich war jedenfalls schon seit einer kleinen Ewigkeit Hauptfeldwebel, trat ich ohne Druck oder Zwang, aus freien Stücken und in voller Überlegung aus dem evangelischen Religions-
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Verband aus und bezeichnete mich ab dieser Zeit, als gottgläubig. Daran hat sich bis heute nichts geändert. Ich wurde weder ein Kirchenfeind, noch war ich je antiklerikal. Ich sah die Notwendigkeit religiöser Gemeinschaften aus ethischen und aus Gründen der Erziehung als wichtig an, aber ich wollte frei und ohne kirchliche Bindung im Verkehr zwischen meinem Herrgott und mir sein. Außerdem widerte mich der seinerzeitige Kampf innerhalb der evangelischen Kirche so an, daß ich nichts mehr von ihr wissen wollte. Die eine Seite war Feuer und Flamme für die neuen Götter und ihr Tun; die andere Seite bekämpften sie auf Tod und Teufel.
/Der folgende Abschnitt ist gegenüber von S. 17 nachträglich notiert, gehört offenbar hierher:
Nicht die Tatsache des Kampfes gegen den damaligen Staat selbst war es, der mich zur Distanzierung zwang, als vielmehr die Überlegungen, daß es kaum göttlichen Wünschen entsprechen mochte, wenn seine verordneten Diener sich derart eifernd und gegenseitig verunglimpfend, in irdische Belange einließen und sich gegenseitig in die Wolle bekamen. Hinzu kamen meine Zweifel in glaubensmäßiger Hinsicht, die ich an anderer Stelle noch einmal streife./
Da lobte ich mir damals die römisch-katholische Kirche; sie holte ihren Wertmaßstab erst gar nicht aus der Kiste. Sie war gewohnt in Jahrhunderten zu denken, zu messen und zu wägen. Wäre ich damals Katholik gewesen und nicht Protestant, ich wäre stur als solcher im Kirchenverbande geblieben. Man hatte sich ja schon seit drei langen Jahren daran gewöhnt gehabt, daß ich einer der ganz wenigen, wenn nicht der einzige war, der hier so lange stur blieb. Freilich muß ich einschränkend hinzufügen, daß ich auf der anderen Seite aber auch in keiner
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Form etwa missionierend oder sonst irgendwie predigend tätig geworden bin. Solches hätte ich nie und nimmer getan. Ich verteitigte(sic) ausschließlich meine eigene persönliche Stellung zu den mir anerzogenen Werten und Überlieferungen; bis auf den Tag, an dem ich aus eigener Erkenntnis, die Dinge in einer mich innerlich befriedigenderen anderen Helle sah.
Ja, und wie war es mit der Judenfrage in jener Zeit und wie stand ich zu ihr.
Als ich im Herbst 1934 in das SD-Hauptamt versetzt wurde, gab es dort überhaupt noch kein Referat und keinen Sachbearbeiter, der sich mit Juden zu beschäftigen hatte. Dies war erst im Laufe des Jahres 1936 der Fall.
Während des Prozesses, und zwar innerhalb des etwa 10 Tage dauernden Kreuzverhöres, frug mich einer der drei Richter, oder war es der Generalstaatsanwalt, bezüglich meiner seinerzeitigen Einstellung zum Programm der Nationalsozialistischen Deutschen Arbeiter Partei, ob es mir bekannt gewesen sei, und ich doch zweifelsohne gewußt haben mußte, daß diese Partei den Kampf gegen das Judentum, als einen nicht zu übersehenden Faktor ebenfalls auf ihr Panier geschrieben hatte; also müßte ich doch auch Antisemit gewesen sein.
Ich konnte diese Frage sehr einfach und wahrheitsgemäß beantworten, indem ich
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sagte, daß ich den Judenprogrammpunkt wohl gekannt habe, doch niemals Antisemit war. Nun, diejenigen der israelischen Polizeibeamten, mit denen ich während der Voruntersuchung laufend zu tun hatte, kannten die näheren Umstände, die mich berechtigten, eine solche Antwort zu geben. Auch mit einem Psychiater unterhielt ich mich über diese Frage. Es ist üblich, daß Angeklagte in größeren Prozessen im Laufe der Voruntersuchung sich mit solchen Fachärzten zusammensetzen, der(sic) dann auf Grund der Unterhaltung, seine Teste macht. Diese Unterhaltung setzt natürlich eine freiwillige Bereitschaft seitens des Angeklagten voraus, denn sonst wäre der Test ja schließlich auch wertlos.
Nun, ich will zu dieser Frage jetzt auch hier Stellung nehmen; und ich muß auf eine kleine Sekunde in mein Elternhaus zurückgehen.
Meine erste Mutter starb sehr früh; mein Vater heiratete zum zweiten Mal. Er mußte es, denn wir waren fünf kleine Kinder und es gab mit den Wirtschafterinnen, Köchinnen und Stubenmädchen, die in einer zweijährigen mutterlosen Zeit den Haushalt meines Vaters zu führen hatten viel Ärger. Wie es schon so geht.
Mit der zweiten Mutter, die selbst keiner jüdischen Familie entstammte, kam aber jüdische Verwandtschaft in unsere Familie.
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Tanten, Onkel, später Cousinen. Wenn man klein ist, dann wächst man automatisch in seine Umgebung hinein. Unsere Familie, nicht nur die engere, ich meine die gesamte Sippschaft, gehörte zu den seltenen Familienverbänden, von denen man behaupten konnte, daß niemand dem anderen seine Wässerchen trübte. Es war ein fröhliches, herzliches Verbundensein ohne Arglist, Lug oder Trug. Egal, ob Jude, jüdisch versippt oder Nichtjude.
/1. Zusatz von Seite gegenüber: Meine Eltern und damit meine Familie war weder judenfreundlich, noch judenfeindlich. Das Problem als solches, war eben ein völlig Familienfremdes gewesen; es stand niemals in irgend einer Form zu(sic) Debatte./
Mein alter Herr selbst hatte u.a. auch Juden zu Freunden.
/2. Zusatz von Seite gegenüber: Wären es keine Juden gewesen, wären sie auch befreundet gewesen. Mein Vater kümmerte sich um diese Dinge ebensowenig, wie etwa, was es am Abend zu essen gäbe./
Ich erinnere mich noch des jüdischen Hopfenhändlers Taussig aus Urfahr bei Linz. Ich glaube es war der Nachbar unseres damaligen Gartens am Hang des Pöstlingbergs. Und wir Kinder kamen zur Erdbeerzeit aus unserem Garten in Taussigs Gehege und schnabelten dort, mit seinem Einverständnis und Einladung, allmälig(sic) die Erdbeerbeete leer, nachdem unsere schon längst von uns Kindern abgeerntet waren.
Ich war noch ein sehr kleiner Lausbub, aber ich erinnere mich zu genau, eines anderen jüdischen Freundes meines Vaters, der mir, war er Gast meiner Eltern, auf dem Flügel stets sehr feurig die Marseillaise vorspielte /3. Zusatz von Seite gegenüber: und vorsang Allons enfants de la patrie./ Er war gebürtiger Franzose, aber längst
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naturalisierter Österreicher. In der Volksschule kam ich neben einem Juden zu sitzen; wir wurden Freunde. Ich in seinem Elternhaus, wie das schon so geht, er in dem meinen. Die Freundschaft hielt eigentlich lange an. Genau gesagt, bis wir uns aus den Augen verloren, durch meinen Abgang von Linz a/Donau, im Jahre 1933. Eingemale trafen wir uns auch auf der Reise, letztmalig in Grünau im Almtal, bei einem Raseur. Es machte ihm offenbar nichts aus, daß ich das Abzeichen der NSDAP angesteckt hatte und mir machte es nichts aus, daß er Jude war. Im Gasthof tranken wir unser Getränk und kümmerten uns den Teufel ob Jude oder Nichtjude. /6 Zeilen gestrichen, noch lesbar: Mein Religionslehrer, der evangelische Pfarrer Tiebel in Linz, ein Junggeselle aus Ostpreußen, erzählte uns während des Religionsunterrichts oftmal von seinem Amtsbruder wie er ihn nannte dem Rabbiner in [Ortsname]./ Noch als SS-Obersturmbannführer, küßte ich sehr herzlich meine halbjüdische Cousine, die mich mit ihrem Vater in Berlin auf meiner Dienststelle besuchte und man brach am Abend in einer netten Weinstube in Berlin, einigen netten Flaschen den Hals.
Und warum sollte ich meine bildhübsche
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zwanzigjährige halbjüdische Cousine nicht küßen, sagte ich zu meinem ständigen Vertreter, dem SS-Sturmbannführer Günther; so was kann doch unmöglich Reichsverrat sein. Er hatte diesbezüglich strengere Auffassungen.
In Budapest hatte ich auch entfernte Verwandte sitzen. Meine dortige Cousine, eine Psychiaterin, war mit einem jüdischen Schuhindustriellen verheiratet, von dem sie aber geschieden war und just um die Zeit, als ich 1944 nach Budapest befohlen wurde, war sie mit einem jüdischen Dozenten an der Universität Budapest, verlobt.
Gemeinsam tafelten wir zu Abend. Meine Tante, meine Cousine, ihr jüdischer Verlobter und ich in der Uniform eines SS-Obersturmbannführers. So, wie es mir mit den Juden in der Verwandtschaft meiner zweiten Mutter erging, ähnlich erging es mir mit der Verwandtschaft meiner Frau bezüglich der echen. Ich feiere übrigens in wenigen Tagen hier im Gefängnis in Israel, den dreißigsten Jahrestag unserer Verlobung; seit 26 Jahren bin ich verheiratet.
Die Verwandtschaft meiner Frau besteht aus echen und ehemaligen Österreichern, also Böhmen mit der Muttersprache Deutsch. Seit 1648 ist ihre Familie in
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Südböhmen ansäßig gewesen. Und ein Holzbalken im Hofe zeigt eine noch frühere Jahreszahl.
Als ich dienstlich im Jahre 1939, nach Prag versetzt wurde hatte ich genau dasselbe herzliche Zusammenleben mit meinen echischen Schwägern, es waren die Ehemänner der Schwestern meiner Frau, wieder aufgenommen. Der eine davon war während der Zeit des(sic) echoslovakischen Republik Artillerieoffizier gewesen, der andere zur Zeit der Besatzung durch uns, aktives Widerstandsmitglied und Kommunist. Seine Tochter, meine Nichte also, studierte irgendwann nach 1945, Welthandel in Moskau.
Ich weiß, daß meine beide Schwäger glühende echische Patrioten waren und ich achtete ihren Nationalismus. Ich hätte mir eher die Zunge abgebissen, als das(sic) ich sie angezeigt hätte, oder selbst eine Verhaftung vornahm, zu der ich berechtigt gewesen wäre. Die verwandtschaftlichen Bande waren stärker als die zu meinen Göttern; obgleich sie auch durchaus nicht schwach waren.
Ich haßte weder den echen, noch den Juden, noch irgend jemanden anderen.
/Zusatz von Seite gegenüber: Ich hatte auch nie von irgend jemanden(sic) persönliches Leid erfahren./
Die ganze Erziehung die ich genoß feite mich darüber hinaus vor solchen Gefühlen. Ich kannte sie nicht. Ich lebte in einer Welt, die gegensätzlich beispielsweise von der, junger Corpsstudenten der schlagenden Verbindungen
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war. Hier nährte(?) diese, der Geist eines Ritter von Schönerer mit seinen antisemitischen Gesängen und Predigten. Hier wurde das Wort Arier, betont und deutlich ausgesprochen, ein Wort, welches erst spät, sehr spät überhaupt in meinen Wortschatz gelangte.
Hätte ich nicht innerhalb eines solch innigen und herzlichen Familienverbandes gelebt, ein Verband, zu dem sich dann die Familien meiner Frau hinzugesellten, möglich daß auch ich von solchen Gedankengängen angesteckt worden wäre. Aber ich wurde es nicht und dies ist entscheidend.
/zweieinhalb Zeilen unleserlich gemacht/ Als in Linz einmal Pfadfinderführer, von irgendeiner Tagung kommend in unserem schönen Landeshauptstädtchen einige Tage verweilten und die einzelnen ausländischen Pfadfinder auf Bürgerfamilien aufgeteilt wurden, da brachte mein Vater einen französischen Pfadfinderführer als Gast mit nach Hause. Ich sprach um jene Zeit genau wie mein zweitältester Bruder Emil recht ordentlich französisch, da unsere Mutter, ein gutes französisch und englisch sprach und uns durch Conversation, die Sprache mühelos eintrichtern wollte.
Dieser junge Franzose war ein prächtiger
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Mensch und ich fühlte mich nach Art der Halbwüchsigen glücklich, ihn zum Freunde gewonnen zu haben. Wir verlebten gemeinsam frohe unbeschwerte Tage, schwelgend in Romantik, Bubenfreundschaft und Pöstlingbergrosengärten und tauschten unsere bündischen Lieder aus dem Zupfgeigenhansel des Wandervogels, und aus anderem aus. Und später, als auch für mich die Franzosen mit die Verkörperung von Versailles schlechtwege wurden, selbst da gelang es keiner Macht, in mir auch nur die leisesten Haßgefühle gegen auch nur irgend einen Franzosen als solchen zu erzeugen.
Und ich lernte eigentlich schon recht früh, daß das Einzelindividuum keinesfalls zu identifizieren ist mit Nation oder Glauben oder gar Politik.
Die Worte Rasse, Volkstum und ähnliche gelangten gleichermaßen erst spät in meinen Wortschatz, so wie ich es bezüglich des Wortes Arier, schon feststellte.
Und auch da, klassifizierte ich das Verhältnis zwischen dem Individuum und den für mich neuen Begriffen nicht anders, als wie ich es bis dahin zwischen Individuum und Nation tat.
Selbstverständlich bin ich kein Heiliger; als während des Krieges der Bombensegen ganze Stadtviertel in Null komma Nichts in Schutt und Asche legte, und tausende Deutscher verreckten und ver-
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kamen, verschmorten und zerrissen wurden, da habe auch ich in der Hitze-Leidenschaft ungezählte derbe und derbste Flüche gegen die Bombenwerfer vom Stapel gelassen.
Auch ich bin kein Heiliger und habe als die Israeler mit den Franzosen und Engländern Ägypten angriffen in der Hitze der durch die Presse entfesselten Leidenschaften, derbe und derbste Worte gegen die Angreifer gebraucht. Ich bin nicht anders als andere auch. Aber dies ist eben eine Reaktion die ausgelöst wird, der man sich je nach Temperament hingibt und die dann mit Worten ihr Ende findet. Dies bezieht sich weder auf den einzelnen Engländer, Franzosen, Juden oder Nordamerikaner; weder auf den einzelnen Rußen, Polen, Jugoslawen, noch auf einzelne andere.
Sie ist es kommt mir jedenfalls so vor irgendwie natürlich; denn nur kranke oder teilnahmslose Menschen, oder der Weise, die sind gefeit von(sic) diesen menschlichen Schwächen; andere nicht, besonders dann nicht, wenn sie /Fortsetzung gestrichen und ersetzt durch Zusatz von Seite gegenüber: anläßlich der Beispiele die ich nannte, durch Zerstörung praktisch, und durch die Presse künstlich, in einem erweckt, ausgelöst werden./
So also konnte ich sagen, ich bin nie ein Antisemit gewesen, denn es stimmt. Und während der sogenannten Kampfzeit der NSAP, nahm weder ich, noch die mir geistig verwandten Meinesgleichen, den Judenbekämpfungsprogrammpunkt der Partei auch nur im leisesten ernst. Ja,
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man beachtete ihn nicht einmal. Seinetwegen fühlte man sich ja auch in gar keiner Form mit der Partei verbunden. Die Anziehungspunkte lagen, wie ich schon sagte, auch für mich, auf einem ganz anderen Sektor. Wenigstens war es so im österreichischen Bergland. Ich beachtete ihn ebenso wenig und er war für mich ganz genau so bedeutungslos, wie die Bekämpfung der Kirche und Klerus.
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Dies also war mein Ich, als ich meine Anfangszeit im SD-Hauptamt zu Berlin verbrachte.
Unverbildet, unkompliziert, nicht faul und nicht fleißig; und eine derbe Kasernenhofschale nach außen, schützte mein Innenleben.
Zwar war meine Tätigkeit nicht nach meinem Geschmack, aber die steten weltanschaulichen Hinweise auf Eid und Verpflichtung, ließen in mir nach und nach keine anderen Überlegungen mehr aufkommen.
Ich gehorchte und blieb meinen Göttern verbunden, indem ich mich befehlen ließ und gegen den Stachel nicht löckte.
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Ein halbes Jahr nach meiner Versetzung nach Berlin, heiratete ich. Seit dem 15. August 1931, war ich verlobt und die Hochzeit fand am 21. März 1935 in Passau statt.
Bis der Möbelwagen meiner Frau aus der
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echoslowakei nach Berlin kam, und die Zoll- und sonstigen Formalitäten erledigt waren wohnten wir es waren etwa drei Wochen in einer Pension und bezogen dann ein nettes, kleines, einstockhohes Einfamilienhäuschen mit Garten, in dem es sich ruhig und gemütlich leben ließ.
Tagsüber schob ich meinen Dienst, mit der Gleichförmigkeit eines Uhrwerks und Abends und Wochenende arbeitete ich im Garten oder wir rekognoszierten und inspizierten in Berlin und nähere Umgebung herum.
Ich ließ mir über einen Kameraden manches Fäßlein guten Pfälzerweines aus seinem Heimatgau kommen. Und je nach Witterung und Jahreszeit, verdrückte ich manches Tröpflein unter dem Schatten einer japanischen Blutbuche oder innerhalb des geschmackvollen Mobiliars, dem Ausstattungsgut meiner Frau, im Living(?). Ab dem Augenblick der Dienst für mich vorbei war, ließ ich die Götter sein, wo sie waren und mein ausschließliches Interesse galt dem familiären Beisammensein.
Meine dienstliche Tätigkeit war auch wie ich zu sagen pflegte zum Knochenkotzen. Tausende von Freimaurersiegeln und Münzen mußte ich katalogisieren und einordnen; meine kümmerlichen, allerletzten Lateinreste feierten in jener Zeit noch einmal fröhliche Urständ. Mein Chef war
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ein dienstgradgleicher, verbummelter Student an der Berliner Universität und selbst Berliner; ungedient und nie bei der Truppe gewesen; aus der zivilen, bzw. allgemeinen SS, kommend.
Er war als Museumdirektor, als Referent des Freimaurermuseums in der Wilhelmstraße 102 tätig, und ich war ihm als einer seiner Sachbearbeiter zugeteilt worden. Viel Würdezeigen und Dreischrittvomleibetaktik waren die hervorstechensten(sic) Eigenschaften des Direktors, und wir Kasernhofblüten nahmen ihn gewaltig auf die Schippe. Besonders, wenn er mit tierischem Ernst seine surrealistischen halbverwesten Leichen aus Modellierpaste formte und sie mit überdimensionalen Würmern und Asseln garnierte. Und war ihm solch ein Prunkstück gelungen, dann hinein in einen Sarg und aufgestellt, zur Schau; etwa in den Andreassaal.
Und Professor Schwarz-Bostaunitzel, der stocktaube ehemalige Verteitiger(sic) am Appellationsgerichtshof in Kiew, zur Zarenzeit, und nunmehrige Leiter der Abteilung Freimaurerei des SD-Hauptamtes machte mit dem donnernden Baß seiner Stimme und in seiner deutsch-russischen Aussprachsweise, die offiziellen Besucher des Museums anläßlich der Führungen durch dieses, mit kurzem Hinweis auf die Geschmacklosigkeit und das Verworren-Dekadente der freimaurerischen Geistesverbildung aufmerksam; nicht ohne
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bissigen Nebenbemerkungen, wobei durch plötzliches Kopfheben sein spitz auslaufender Knebelbart wie eine Parallele, zur Decke und Fußboden gebracht wurde und gleichsam als kleiner Keil von ihm abstand: und so etwas waren dann Studienräte und Studiendirektoren, verantwortlich für die Erziehung unserer Kinder, war sein sarkastischer Abschluß und seine /Fortsetzung auf der Seite gegenüber: Physiognomie erinnerte stark an einen eifernden babylonisch-assyrischen Priester./
Ich sah, wie hier böser Heck-Meck getrieben wurde, um die Freimaurerei ad absurdum zu führen und dachte in meinem Sinn, na, wenn sie nichts anderes finden und Wurmkram und Leichen mit Ton und Modellin präparieren müßen, dann scheint mir nicht viel dahinter zu sein. Ich hatte das Wort Freimaurerei zum allerersten mal genau am 1. 4. 1932, gehört. Ich meine, wissentlich zum ersten mal gehört, und das kam so:
Ich wurde durch Kollegen so etwa Anfang 1932 als Gast der Linzer Schlaraffia im Vereinshaus zu Linz eines Ortsverbandes der sogenannten Allmutter-Praga eingeführt. Kaufleute, Ärzte, Rechtsanwälte, Künstler usf. zählten zu ihren Mitgliedern. Der Brauch dort war witzig und das Völkchen war harmlos-humorig. Narrenkappenähnliche Kopfbedeckungen, mit vielen Orden und Verbandsauszeichnungen, zierten die Köpfe der Mitglieder. Einen ausgestopften Vogel, einen Uhu, der in einer Ecke, auf bevorzugtem Platze aufgestellt war, mußte man beim
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Eintritt, die Hände über die Brust gekreuzt, und sich verneigend, begrüßen. Ein Erzmarschall leitete den offiziellen Teil des Beisammenseins und Klavizimbel hieß das Klavier. Na, wie ich schon sagte, harmlos-fröhlich; Jude wie Christ saßen hinter Bier und Wein, das heißt man hätte nicht gewußt wer Jude war, wer Christ, aber in so einer kleinen Stadt, kannten ja viele, Viele.
Am 1. 4. 1932 trat ich in die SS ein. Der damalige SS-Oberscharführer Dr. Ernst Kaltenbrunner, Rechtsanwalt in der Kanzlei nach seinem Vater, war schon eine bedeutende Persönlichkeit innerhalb der österreichischen NSDAP. Er wollte wissen, ob ich in irgendwelchen Vereinen oder Verbänden wäre, wenn ja in welchen und warum.
Und ich sagte ihm, daß ich als Gast bei den Schlaraffen verkehre. Raus aus dem Freimaurerhaufen, das ist eine ganz gefährliche Bande, sagte er mir. Nun er war damals noch nicht Chef der Sicherheitspolizei und des SD, noch kein General der Polizei und der WaffenSS, und noch nicht Mitglied des Reichstages. Ich konnte ihm daher sagen, von der Freimaurerei wüßte ich nichts, da ich davon bisher nie etwas gehört hätte, aber eine gefährliche Bande ist es ganz bestimmt nicht, so viel wüßte ich inzwischen sehr genau. Kaltenbrunner und ich kannten uns schon viele Jahre von der Straße her.
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Man grüßte sich und sprach, so wie es der Tag und die Stunde mit sich brachte. Unsere Väter hatten geschäftlich öfter miteinander zu tun.
Aber ich kann die ganze Sache kurz abtun, indem ich erkläre, daß auf mein weiteres Kommen als Gast bei der Schlaraffia Linz gerade um diese Zeit herum kein Wert mehr gelegt wurde, weil ich in vorgerückter Stunde und in vorgerückter Laune, den ebenfalls um jene Zeit in vorgerückter Laune befindlichen oberösterreichischen humoristischen Schriftsteller Franz Resl, im Rosenstüberl zu Linz auf eine Flasche Wein eingeladen hatte. Er war Erzschlaraffe, ich war nur ein lausiger Gast; ich war damals 26 Jahre alt und er so zwischen fünfzig und sechzig; ich war ein Niemand, er aber war ein bedeutender Schriftsteller; wenn auch über Österreichs Grenzen hinaus eigentlich wenig bekannt. Aber trotz allem: diese meine Frechheit überstieg den Rahmen des Gewohnten. Dies war mein erstes Erlebnis mit der Freimaurerei.
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Obwohl also der Antisemitismus in einem der Parteiprogrammpunkte fixiert wurde, blieb ich demgegenüber unempfänglich; nicht einmal aus Wissen oder Wollen, sondern ganz einfach aus dem Grunde, weil er nicht zu meiner Vorstellungswelt gehörte, und weil ich nichts mit ihm anzufangen wußte.
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Zum vielen Bücherlesen hatte ich es in jenen Jahren nicht gebracht. Sehr zum Kummer meines Vaters. Mit irgendwelchen ismen hatte ich mich aus Indolenz nicht auseinander gesetzt; und persönlich hatte ich keine Feinde; weder Juden noch Nichtjuden.
Die Günthersche Rassenlehre habe ich bis zum heutigen Tage nicht gelesen, ebenso wenig den Rosenbergschen Mythus des 20. Jahrhunderts oder Mathilde Ludendorff. Dem Mystizismus war ich nie verfallen. Für mich haben bis zur Gegenwart weder die klaräugig-nordischen Rassevertreter das Licht, noch die dunkeläugigen Semiten die Finsternis oder umgekehrt verkörpert. Ich habe solches stets für einen ausgesprochenen Kohl gehalten und halte solches noch immer dafür.
Freilich, in dieser Vorstellung wühlten und bohrten Himmler und andere. Auch kleine Diener, wie besagter Professor Schwarz-Bostaunitzel, schwelgte in seiner mystischen Vorstellungswelt und pendelte in seinen verschiedenartigen geometrischen Figuren herum, um einem diese ganze Angelegenheit nach Art der alten Alchimisten schmackhaft zu machen. Seine Diagramme, seine Pentagramme und Hexagramme, dargestellt in den verschiedenartigsten Formen und Bedeutungen geschmückt mit Dutzenden von weiteren Symbolen, fanden in meinem wein- und bierfrohen Soldatengemüt keinen Platz.
Als ich um jene Zeit im SD-Hauptamt war, hatte Himmler einem solchen modernen Alchimisten
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in dem Park, in dem wir unsere morgendlichen Exerzierübungen absolvierten, ein kleines Laboratorium eingerichtet. Er sollte darin Gold machen. Angeblich konnte er es. Dieser Goldmacher hieß merkwürdigerweise Tausend.
Himmler war auf dem Wege, die SS zu einem Orden mit besonderem Brauchtum zu formen, in dem sich Gedankengut der alten Germanen mit dem des Deutschen Ritterordens, Materialismus, Romantik, Gottgläubigkeit und anderes mehr mengte. Die Brauer dieses Gemisches saßen im SS Rasse- und Siedlungshauptamt, und von dort aus wurde dieses Geistesgut in den Orden gepumpt.
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Im Jahre 1936 sprach mich ein SS-Untersturmführer von Mildenstein an, der seit kurzer Zeit ebenfalls im SD-Hauptamt tätig war. Er hatte eine Judenabteilung eingerichtet und suchte nun Personal, um seine Sachgebiete zu besetzen. Er erzählte mir, daß er Diplom Ingenieur von Beruf sei, in Palästina gewesen wäre und nun noch einen Sachbearbeiter genötige, ob ich Lust hätte. Ich hatte Lust. Ich hätte alles angenommen um jene Zeit, wenn ich dadurch nur von meinen verdammten Münzen und Siegeln, die mir schon beim Halse heraushingen, fortgekommen wäre.
Und so kam ich fort.
Die Abteilung hieß II 112; der Hauptabteilungschef blieb derselbe wie bisher, infolgedessen war die Personalabteilung des SD-Hauptamtes nicht erst groß zu befragen, sondern es brauchte
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ihr lediglich eine formlose Ordnungsmeldung gemacht werden.
Herr v. Mildenstein hatte sich die Bearbeitung der Zionisten vorbehalten, ich hatte die jüdische Orthodoxie und ein dritter Mann die Assimilanten zu bearbeiten. Dazu kamen noch drei Hilfskräfte, als Schreiber und Aktenschieber. Herr von Mildenstein leitete das Ganze. [1]
Meine erste Tätigkeit in diesem neuen Laden, war das Lesen eines Werkes von Adolf Böhm. Es war eine ausführliche Schilderung des Wirkens und Wollens der Zionistischen-Weltorganisation.
Ich sollte eine Kurzdarstellung des Inhaltes herausarbeiten.
Dies war meine erste bewußte Kontaktaufnahme mit dem Judentum.
Mildenstein war ein liberaler und toleranter Geist; fern allem Fanatismus, Mystizismus und Radikalismus; und aus der Znaimer Gegend, aus Mähren, stammend; er war stets freundlich, ruhig, und hatte ein mildes Gemüt. Er sah die Judenfrage nicht vom rassischen und nicht vom religiösen Standpunkt, sondern einzig und alleine von der politischen Warte aus. Er war mein erster und zugleich mein bedeutenster(sic) Meister und Lehrer auf diesem Gebiet und seine Anschauungen von den Dingen habe ich mir zu eigen gemacht, da sie mich beeindruckten und überzeugten. Ich habe diese Anschauung bis zum Ende beibehalten.
Leider schied von Mildenstein bereits nach einigen Monaten aus. Er war einer der
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wenigen, dem es gelang. Freilich, sein Beruf kam ihm dabei zu Hilfe, sonst wäre es sicher nicht gegangen. Er war Straßenbaufachmann; als solcher erhielt er den Befehl, in Nordamerika die Autobahnen zu studieren. Als er von seiner Studienreise zurückkam, wurde er von irgend einem anderen Ministerium vereinnahmt, da um jene Zeit der Reichsautobahnbau, mit aller Macht vorangetrieben werden mußte.
/Abschnitt gestrichen, noch lesbar: Seine Stelle als Abteilungsleiter übernahm ein junger Mann, der aber bereits nach kurzer Zeit zu(sic) Militär eingezogen wurde und mit der Übernahme der Judenabteilung im SD-Hauptamt durch Wisliceny, und später durch Six kam auf längere Zeit eine gewisse Stabilität in den Laden./
/ersetzt durch Zusatz von Seite gegenüber: Es wechselten dann in der Folgezeit kurz hintereinander die Abteilungsleiter. Jeder hatte sein eigenes System soeben als gültige Norm von sich gegeben, schon war er wieder abgelöst und ein anderer trat an seine Stelle. Schließlich übernahm Prof. Dr. Six die Zentralabteilung und setzte einen seiner Vertrauten als Leiter der Abteilung Judentum, ein./
Es wurde im Laufe dieser Zeit mit der Anlage von Sachakten begonnen, eine Sachkartei wurde aufgestellt, eine Generalaktenhaltung aufgezogen und laufende Berichterstattung für die Vorgesetzten, bildete die Hauptarbeit, der wir nachzukommen hatten. Dem Berichterstattungswesen, waren alle anderen Arbeiten unterzuordnen.
Himmler und Heydrich müßen in jener Zeit auf ihren Nachrichtenapparat, dem SD-Hauptamt, sehr stolz gewesen sein. Ein mir vorliegendes Dokument aus jener Zeit, zeigt die stattgefundenen Besichtigungen auf, und man ersieht, daß
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die Dienststelle innerhalb weniger Tage von 150 Offizieren der Kriegsakademie besucht wurde, daß Heydrich den(sic) Reichsaußenminister v. Ribbentrop das SD-Hauptamt zeigte, ferner sind 150 Offiziere des Reichskriegsministeriums verzeichnet sowie der Besuch des Chef(sic) der jugoslawischen
Geheimpolizei. [2]
In jener Zeit bestand meine Hauptarbeit im Lesen von Fachzeitungen und Zeitschriften sowie im Verdauen der einschlägigen Werke. In rauhen Mengen lagen die Zeitungen auf und ich ärgerte mich jedesmal, wenn ich die in hebräischen Lettern gedruckten jiddischen Zeitungen sah, denn die konnte kein Mensch lesen. Also ging ich eines Tages daran und kaufte mir in einer Buchhandlung ein Lehrbuch zum Studium der hebräischen Sprache. Hebräisch für Jedermann hieß es und ein gewisser Samuel Kaleko hatte es verfaßt. Nach einem Jahr Selbststudium kam ich nicht mehr zügig weiter, auch war mir das Alleinebüffeln längst zu langweilig geworden und ich suchte auf dem Dienstweg um die Genehmigung nach, die weitere Unterrichtserteilung durch einen Rabbiner, gegen ortsübliches Stundengeld von drei Reichsmark, zu gestatten.
Offenbar aus politischer Sorge, wurde mir diese Genehmigung nicht erteilt. Möglicherweise wäre der Bescheid ein positiver gewesen, wenn ich gesagt hätte, dann sperrt man
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eben einen Rabbiner solange ein, bis er mir die Sprachte vermittelt hat. Es wurde ja in der damaligen Zeit durch die Geheime Staatspolizei am laufenden Bande eingesperrt. Aber mir kam nicht einmal die Idee zu einem solchen Tun, geschweige denn, daß es mir ein Vergnügen bereitet hätte, auf diese Art und Weise, mir fehlendes Wissen zuzulegen. [3]
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Jedes Jahr einmal, im Herbst, hielten die Götter Heerschau. Sie stiegen von ihrem Olymp herab und zeigten sich in breiter Front den Massen, die sie aufboten. Militärparaden, Paraden der SA u. SS, Aufmärsche der anderen Parteiorganisationen. Konferenzen, Kongresse, Resolutionen, Ansprachen und Paroleausgabe. Die Führung teilte ihren Gläubigen mit, was sie geschafft hatte und was sie plante.
Es wäre ungerecht zu sagen, sie hätte nichts getan. Sie lag wahrlich nicht auf der faulen Haut. Und sie hatte in kürzester Frist für das deutsche Volk soviel getan, besonders in wirtschaftlicher Hinsicht, daß der gewaltige, jubelnde Beifall der Masse, echt war. So etwas an rauschender, impulsiver Begeisterung konnten(sic) selbst Goebbels nicht künstlich hervorrufen.
Ich war zum ersten mal auf einem solchen Parteitag, der jeweils in Nürnberg stattfand; ich wurde dienstlich dorthin
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geschickt. Nicht um an Paraden und Aufmärschen teilzunehmen, nicht um mir Reden anzuhören und Versammlungen zu besuchen, sondern um nachrichtendienstlich tätig zu sein. Denn das SD-Hauptamt war um jene Zeit nichts anderes, als eine einzige große, straff gelenkte und organisierte Spionageorganisation. Sie war niemanden anderen unterstellt, als Himmler und auf dessen Befehl, hatte sie ihr Gründer Heydrich, zu leiten.
Eine große mächtige Boykottbewegung mit der Zentrale in Nordamerika kämpfte gegen das nationalsozialistische Deutsche Reich. Nicht grundlos; dies war selbst mir damals schon klar geworden. Wenn wir während der Truppenausbildungszeit aus irgendwelchen Gründen dermaßen geschliffen wurden, daß uns das Wasser am Arsch zu kochen anfing, wie wir im rauhen Landserjargon zu sagen pflegten, dann erzeugten die augenblicklichen Leiden in uns Landser fürchterliche Vorstellungen im Hinblick auf Vergeltung an die uns schleifenden Ausbilder, nach der Dienstzeit. Zwar kühlten diese furchtbaren Vorsätze nach beendeter Tagesdienstleistung, nach dem Motto gehabte Schmerzen hat man gerne ebenso rasch wieder ab, als sie aufflammen konnten, und verbrannten bei einem oder auch mehreren halben Liter Bier in der Kantinie(sic), restlos.
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Aber wenn ich so sah, besser gesagt gelesen hatte, was die Abteilung I des Reichsaussenministeriums an Judengesetzen seit 1935 erlassen hatte, dann konnte ich die Boykottbewegung gut verstehen. Sie war eine ganz natürliche Reaktion. Wenn ich bedenke, daß in jener Zeit, sich ein Berliner Rabbiner namens Prinz von seiner Gemeinde verabschiedete, um nach Nordamerika auszuwandern und sagte, er wolle drüben mitarbeiten an der Schaffung eines mächtigen Reservoirs aus dem das Judentum Kraft und Hilfe erhalte, dann wußte ich, der ich mich unter den Zuhörern befehlsgemäß befand, sehr wohl, was Prinz damit meinte; und ich konnte ihm gar nicht Unrecht geben. Der anwesende Kriminalbezirkssekretär /Zusatz von Seite gegenüber: der Geheimenstaatspolizeileitstelle Berlin/, welcher die Versammlung auftragsgemäß zu überwachen hatte, verließ sich auf mich und ich mich auf ihn, bezüglich einer allfällig notwendig sein sollenden Auflösung und Inhaftnahme des Sprechers. Ich tat nichts dergleichen, denn meine Überlegungen verboten mir, mich diesbezüglich an den Kriminalbeamten zu wenden, da ich wie gesagt dem Sprecher von seinem Standpunkt aus gesehen Recht geben mußte und es tausendmal tausend Prinzen gegeben hat, so daß eine Inhaftnahme
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eines einzelnen, das Problem ohnedies nicht löste. Gemäß dem Befehl den ich erhielt, machte ich später meinen Bericht, indem ich alles wahrheitsgemäß schilderte und auch meinen Überlegungen breiten Raum ließ. Ich habe nie wieder etwas darüber gehört; Prinz wanderte nach Nordamerika aus.
Ich hatte die Nürnberger Gesetze ja nicht geschaffen; nicht dabei mitgeholfen und hatte auch als ausführendes Organ nichts damit zu tun, denn ich gehörte einer Nachrichteninstitution an und keinem exekutiv-tätigen Polizeiapparat.
Daß die Götter hier einem verhängnisvollen Irrtum anheimgefallen waren schien klar, aber Auswüchse gibt und gab es nach jeder Revolution und dann sagte man sich immer noch, daß nie etwas so heiß gegessen werde, wie es gekocht würde. Selbst große Teile der Judenschaft sagten und dachten genau dasselbe. Und dann sollte das Ziel der Maßnahmen sein, die Auswanderung der Juden aus dem Reich anzukurbeln; freilich waren diese Maßnahmen dazu nicht sehr geeignet. Die Lösung durch eine planvoll gelenkte Auswanderung ging auch mir ins Hirn ein. Denn inzwischen hatte ich ja nun gelesen, daß die Juden im Laufe der Geschichte in vielen europäischen Ländern
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dann stets als Sündenböcke herzuhalten gehabt haben, wenn über ihren Rücken oder auf ihre Kosten, die Masse von augenblicklichen Schwierigkeiten oder Übelständen irgendwelcher Art abgelenkt werden konnte.
Also war eine gelenkte und planmäßig organisierte Auswanderung von allen Übeln, noch das kleinste; und dem abgewanderten Juden taten die Gesetze ja nicht mehr weh. Viel schlimmer war es mit der Bedrängnis, denen(sic) sie unterworfen waren, bis zur Zeit der Auswanderung. Aber ich konnte hier weder den Göttern noch ihren Untergöttern hindernd in den Arm fallen, dazu fehlte mir jede Möglichkeit. Ich hatte auf meinem Sektor nachrichtendienstlich tätig zu sein und die erhaltenen Meldungen und Mitteilungen in Berichtsform auf dem Dienstwege weiter zu geben. Meine Vorgesetzten verarbeiteten diese Mosaiksteinchen aus vielen Referaten und Sachbearbeitungen kommend, zu einem Bild und legten es den Untergöttern zur gefälligen Kenntnisnahme vor. Dergestalt, konnten sich auch die Götter selbst jederzeit solche Bilder betrachten.
Nun also war ich in Nürnberg. Es war das Jahr 1937. Festliche Parteitagsatmosphäre, große gewaltige Sportfelder, Stadione, Hunderttausende
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fassend, lärmendes Gedränge in den alten, heimeligen Gassen und Gäss´chen innerhalb der Mauern des mittelalterlichen Nürnberg. Das Rot der tausend und abertausend Fahnen leuchtete im Schein der prächtigen Früh-Herbstsonne.
Ein Nachrichtenmann muß, will er etwas hören und Agenten, Mitarbeiter, Vertrauensmänner oder Zuträger, wie alle die Fachausdrücke auf diesem Gebiet lauten, werben, überall herumkriechen. Zur damaligen Zeit waren es für unsereinen insonderheit die netten kleinen verrauchten biergeschwängerten Bräustuben in denen ganze Ausländergruppen von den ihnen zur Verfügung gestellten Betreuern gastlich bewirtet, geführt, eben so richtig betreut wurden. Hier galt es also mit mehr oder weniger Glück, durch Verbindungen und Beziehungen, Kontakt mit den Besuchern aus fernen Ländern zu bekommen.
Aus einem Dokument, welches mir hier vorliegt entnehme ich folgende Worte, die ich damals in meinem Dienstreisebericht u.a. verwendete:
Der Großteil machte den Eindruck von mehr oder minder fragwürdigen Existenzen, die zum Teil von der fixen Idee besessen sind, als Führer von Parteien und Organisationen in ihren Ländern
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einstmals berufen zu sein. Lediglich ein einziger fand Gnade vor meinen Augen, ein nordamerikanischer Staatsangehöriger, welcher ausgezeichnete Verbindungen zu dem Leiter der Anti-Nazi-Liga, der Befehlsstelle der Boykottorganisation gegen Deutschland, haben wollte.
Aber da dieser Fall auch nicht ganz klar war insbesondere bezüglich der Frage ob das SD-Hauptamt hierfür noch zuständig sei, bemerkte ich abschließend, daß ich um Weisung bäte, ob der SD diese Angelegenheit selbst bearbeiten soll, oder ob sie dem Propagandaministerium abzutreten ist.
Ich habe nie mehr etwas darüber gehört, so daß ich annehme, daß meine Vorgesetzten in ihrem Ratschluß entschieden, die Sache abzutreten. [4]
(8)
Einige Tage später, trat ich zusammen mit meinem mir vorgesetzten Abteilungsleiter eine Dienstreise nach Palästina und Ägypten an. Der Zug brachte uns durch Polen und Rumänien nach Constanza und von hier aus ging es mit der Romania nach Konstantinopel, Piräus, Beyruth, Haifa und Alexandrien.
Moscheen, Akropolis, der Berg Carmel, das graeco-romanische Museum in Alexandrien wurden besucht, ebenso das ägyptologische Museum in
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Cairo. Die Pyramiden von Gizeh sahen wir ebenso wie die von Sakarat; die ehemals heiligen Stiergräber; ein Abstecher in die ägyptische Wüste ein anderer in die lybische Wüste wurde unternommen. Der vor 3 einhalb Jahrtausenden verstorbenen(sic) Pharao Tutenchamon samt seinen Schätzen, welche dank der Kunstfertigkeit der Archäologen ihrem langen Schlaf entrissen wurden und einer staunenden Nachwelt zur Schau gestellt sind, erfreute auch mein Auge und Wissen und auch ich konnte nur staunen. Staunen über die hohe Kultur der Menschen jener grauen Vorzeit und meine Gedanken verloren sich weitab vom Staats- und Gegenwarts-Bejahenden, in Zonen und Regionen, in denen die Wandelbarkeit und das ewige Werden und Vergehen allen Lebens, ja schließlich allen Seins, die führende Rolle spielten. Alles eitle Hoffen und Streben, scheint einem beim Anblick vergangener Jahrtausende, nichts als flüchtiger Menschentand zu sein; und ich beneidete in diesem Augenblick alle Archäologen und Geologen, denen es meiner Meinung nach vergönnt sein mußte, in solchen Gedanken und Überlegungen ungestört Tag für Tag schwelgen zu können, dieweil es für unsereinem(sic), im Trubel des Alltags, lediglich oasenhafte Glücksmomente sein durften.
Aber unsere Chefs hatten uns ja nicht all dieser Dinge wegen auf Dienst-
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reise geschickt sondern wie immer hatte die Sache ihren Grund in einer informativen Bereicherung, in einer politischen Nachrichtensammlung.
Durch Vermittlung des Vertreters der offiziellen Deutschen-Nachrichten-Agentur in Jerusalem, Dr. Reichert, besuchte mich Monate vor unserer Reise, in Berlin ein jüdischer Funktkonär auf Palästina. Gemäß Weisung meiner Vorgesetzten wurde der Besucher zum Gast des Reichssicherheitshauptamtes erklärt und ich erhielt den Befehl, ihn zu betreuen. Wir aßen zusammen in der Traube am Zoo und unterhielten uns, denn jeder wollte ja vom anderen daß(sic) wissen, was ihm an Wissen zu seiner gegenständlichen Sache fehlte. Mein Interesse galt dem zionistischen Leben in Palästina. Das Ende vom Lied war eine Einladung des Gastes an mich, ihn in Palästina zu besuchen.
Ich erhielt Befehl, diese Einladung anzunehmen. So also kam es zur Reise, der sich mein damals unmittelbar vorgesetzter Abteilungsleiter anschloß. Ich fuhr als Schriftleiter des Berliner Tageblattes und mein Vorgesetzter als Student der Auslandwissenschaftlichen Fakultät der Universität zu Berlin, deren Dekan unser gemeinsamer nächsthöherer Vorgesetzter in jener Zeit war. Als Angehörige des Sicherheitshauptamtes hätte man ja damals
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schließlich und endlich auch fahren können, denn der mich Einladende wußte ja, wer ich war und letztlich hat es der englische Geheimdienst ohnehin herausgebracht, aus welchem Nest diese beiden Vögel waren; genauso, wie uns ein Mitglied des Secret-Service, oder ein solches des 2-eme Bureau, wenn sie nach Deutschland kamen, in der Regel ja auch sehr schnell bekannt wurden. Man tat sich gegenseitig nichts, man war sehr höflich zueinander, nur man erleichterte dem Kollegen von der anderen Seite nicht gerade seine Arbeit, oder wenn, dann hatte es schon seinen besonderen Grund, der auf Gegenseitigkeit lag. Aber es war ja schließlich Frieden.
Wir waren etwa sechs Stunden in Haifa, und fuhren dann programmgemäß mit unserem rumänischen Dampfer nach Alexandrien und gedachten innerhalb der nächsten 14 Tage, drei Wochen, zum eigentlichen Palästina-Besuch zu starten. Aber da bedauerte man es englischerseits, daß man nicht in der Lage wäre, ein diesbezügliches Visum erteilen zu können. Gut, dann muß eben der Berg zu Mohamed kommen. Dr. Reichert und der jüdische Funktionär wurden von uns nach Ägypten eingeladen. Zu uns gesellte sich noch der Vertreter des DNB in Cairo, so daß wir alle fünf Mann hoch eine ganz schöne Nachrichtenbande bildeten.
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Wir tafelten im Mena-Hotel, bei den Pyramiden von Gizeh und ferne von uns waren Nürnberger Gesetze.
Ich selber kam allerdings nicht auf meine Kosten bei dieser Dienstreise in den Nahen Orient, will ich den dienstlichen Sektor betrachten, weil ich das jüdische Leben in Palästina durch das englische Einreiseverbot ja nicht zu sehen bekam.
Privat und persönlich hatte ich durch die Fülle des Erlebten eine schöne Bereicherung erfahren.
Mein mir vorgesetzter Reisegefährte, ursprünglich aus dem Zeitungswesen kommend, hatte mehr Erfolg in dienstlicher Hinsicht für sich buchen können, denn ihm genügten ja auch die wirtschaftlichen und politischen Meldungen, die er aus erster Hand, soweit sie den Nahen Orient betrafen, bekam. [5]
Nun, nach diesem mehrwöchischem(sic) Aufenthalt in sonnigen Landen, kamen wir wieder in die spätherbstliche, ja fast schon winterliche Landschaft unserer Festung Deutschland zurück. Wenn jemand eine Reise tut, dann kann er auch erzählen, heißt es; aber er kann auch Vergleiche anstellen. Über Italien und die Schweiz fuhren wir nach Berlin zurück. Viel Tolernaz, viel Liberalismus sah ich und es war daß(sic), was mir am meisten auffiel. Ich kannte es aus meiner langen Österreich-
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zeit her; vom Elternhaus, aus der Schule, kurz das ganze Leben in Österreich war ein einziges großes Toleranzpatent gewesen, so wie Kaiser Joseph II es sich wohl erträumt haben mag, will ich die Zeit bis etwa 1932, ansetzen.
Aber es war bei mir durch die inzwischen verlebten, über fünf Jahre Totalitarismus bereits leicht übertüncht worden. Nicht ausgelöscht; im Gegenteil, die Reiseerlebnisse verwischten wieder einen Großteil der Tünche. Ich sah den Stürmer mit einem Male wieder deutlicher obgleich er im SD-Hauptamt weder geschätzt noch beachtet oder gelesen wurde; ich sah sein Herumwühlen im Pornographischen; im verworrenen mittelalterlichen Mystizismus schlimmer Prägung. Ich sah das Reichsinnenministerium bei seiner fleißigen Gesetzes- und Verordnungsfabrikation, die Geheime Staatspolizei bei ihren Verhaftungsbefehlen, das Propagandaministerium bei der Herausgabe des Verbotes für Juden die Bank im Park zu benutzen, das Reichswirtschaftsministerium bei seiner Tätigkeit die Juden aus dem Wirtschaftsleben auszuschalten und das Auswärtige Amt bei seiner Behinderungsarbeit, bezüglich einer an sich gewünschten Auswanderung der Juden.
Das Reich, bzw. dessen Führung wollten es doch so nahm ich stets an und die Mehrzahl der Juden trachtete im Hinblick auf die Lebenserschwerung dasselbe
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Ziel anzustreben.
Und das Sicherheitshauptamt besorgte sich die Nachrichten und fabrizierte Berichte. Das alles schien mir gleich wie eine Katze, welche sich in ihren eigenen Schwanz beißt.
Da fand beispielsweise 1938 in Evian ein(sic) internationale Konferenz statt und der britische Botschafter in Berlin sprach den Deutschen Reichsaußenminister v. Ribbentrop darauf an, ob die Rechsregierung bereit sei, bei der Lösung der Emigrantenfrage, insbesondere bei der Förderung der Auswanderung von Juden deutscher Staatsangehörigkeit, mit den übrigen interessierten Staaten zusammenzuarbeiten. Denn kein Land sei bereit, die auswandernden deutschen Juden aufzunehmen, wenn sie mittellos wären. Ob daher die Reichsregierung bereit sei, bei der Transferierung von Kapital in jüdischen Händen, mitzuwirken.
Nachdem die Reichsregierung einer Förderung der Auswanderung eigentlich grundsätzlich keinerlei Hemmnisse in die Wege legte, hätte man annehmen müßen, daß eine solche Anfrage seitens offizieller britischer Stellen, freudige Zustimmung gefunden hätte.
Nicht so bei Ribbentrop.
Er teilte dem britischen Botschafter mit, daß er eine Zusammenarbeit mit anderen
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interessierten Staaten ablehnen müße, da es sich um ein innerdeutsches Problem handele. Auch die Frage, ob Deutschland eine Transferierung von Kapital in jüdischen Händen erleichtern könne, müße verneint werden.
Es käme daher eine Zusammenarbeit mit den in Evian tagenden Mächten für Deutschland nicht in Frage. Der Staatssekretär Weizsäcker schickte diese Stellungnahme am 8. Juli 1938 an zehn in Frage kommende deutsche Botschaften und Gesandtschaften, zur Kenntnisnahme ab.
Also, statt Auswanderungserleichterung, ein Handicap, eine Erschwerung. [6] Statt dessen aber erging an alle diplomatischen und berufskonsularischen Vertretungen im Ausland eine Aufforderung des Auswärtigen Amtes, über alle Regierungsmitglieder, Parlamentarier, Wirtschaftler, Wissenschaftler, hohe Offiziere und Journalisten, soweit sie als jüdisch, jüdisch versippt, oder als Freimaurer galten, zum Zwecke der Errichtung einer Kartothek, zu berichten. [7]
Und in einem Telegramm Kennedy`s an das Staatssekretariat in Washington vom Dezember 1938, kommt Ribbentrop infolge seiner gegen das Judentum geschleuderten, höchst undiplomatischen Verbalinjurien, alles andere, als gut weg. [8]
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Wir Referenten im SD-Hauptamt, erhielten Anfang 1938 von unserem Abteilungsleiter die Weisung, Material für eine Denkschrift zusammen zu stellen, in der darzulegen sei, daß die Judenfrage auf der augenblicklichen Basis nicht zu lösen ist, wegen finanzieller Schwierigkeiten usw., und daß man daran herantreten müße, eine außenpolitische Lösung zu finden, wie sie bereits zwischen Polen und Frankreich verhandelt wurde. Ich schrieb damals folgendes:
1.) Das Ergebnis der Volkszählung abwarten.
2.) In 10 Jahren giebt(sic) es in Deutschland bei gleichbleibender Tendenz nur noch etwa 60.000 Juden.
(Unter gleichbleibender Tendenz verstand ich die stagnierende Haltung des Auswärtigen Amtes im Hinblick auf die Auswanderung von Juden, in Verbindung mit der Verproletarisierung der Juden, durch die gesetzgeberische Tätigkeit der hierfür zuständigen Zentralinstanzen.)
3.) Wenn die mittellosen Juden abgewandert sind kommen die Kapitalisten an die Reihe, die durch wirtschaftliche Maßnahmen bis dahin langsam entkapitalisiert sein können, mit Hilfe von Stapomaßnahmen.
(Darunter war zu verstehen, die von der Geheimen Staatspolizei in jener Zeit durchgeführten Beschlagnahmen und Einziehungen der Vermögenschaften).
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So war der Status, so wurde es praktiziert. Es war die Katze, die sich ewig im Kreise drehend in ihren eigenen Schwanz biß.
Ich schrieb dann weiter als Vorschlag:
Sie ist ferner dann zu lösen, wenn dem SD-Hauptamt keinerlei Hemmungen auferlegt werden; und ich nahm als Beispiel ein gerade in jenen Tagen aufgetretenes Problem im Hinblick auf das Jugenderziehungsclearing. Ich lebte damals gerade im Kampf mit den wirtschaftlichen Einschränkungen, welche den Juden auferlegt wurden, worunter auch die auswanderungshemmenden Devisenvorschriften zählten.
Ich vertrat den Standpunkt der arme Jude will genau so gerne und so schnell auswandern wie der reiche Jude. Einem jeden war es lieber, je schneller, desto besser; nämlich das Ausland zu gewinnen. Und an sich wollte es ja auch die Reichsregierung. Sei es aus Neid oder Knickrigkeit, sei es aus Dummheit oder Unverständnis, oder aus blindem Haß, die meisten dieser Stellen förderten diese Auswanderung nicht, sondern hemmten sie; bewußt und unbewußt.
Was nutzte es, in Fragen des Jugenderziehungsclearings devisentechnische Schwierigkeiten zu machen, die obendrein meistens nur formeller und rein paragraphenmäßiger Natur waren? Weder dem Deutschen noch dem Juden war dabei gedient.
Und warum mußte das Reich dem reichen
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Juden das Geld abnehmen, und dem Reichsfiskus einverleiben, anstatt mit einem Teil dieses Geldes die Auswanderung zu finanzieren. Natürlich - so dachte ich - sollte der reiche Jude mehr bekommen, denn es war ja sein Geld, aber ein Teil seines Geldes sollte er zwecks Finanzierung der jüdischen Kultusgemeinden und der Finanzierung der Auswanderung vermögensloser Juden zur Verfügung stellen. Denn eine Auswanderung war teuer. Reisekosten, Vorzeigegeld usf. An Stelle eines zehn Jahre langen elenden Dahintreibens, konnte nach meiner Idee eine Auswanderung zügig und flott in die Wege geleitet werden und die Juden dergestalt im Besitze ihrer Gesundheit und physischen Kraft neues Land betreten. Einen durch jahrelanges, zermürbendes Warten krank Gewordenen, nahmen die Einwanderungsländer ohnedies kaum auf.
Nein, so wie dies damals praktiziert wurde ging es nicht; und Ribbentrop irrte hier sehr, obgleich er Reichsaußenminister war, und es hätte wissen sollen. Bei jedem Reisebüroinhaber hätte er sich dieserhalb besser informieren können, als bei seinen Legationsräten und Unterstaatssekretären.
Außerdem schlug ich in diesem Lösungsvorschlag als letzten Punkt, allmonatliche Besprechungen in dieser Angelegenheit zwischen
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allen an der Sache beteiligten Stellen vor, damit das hemmende Gegeneinander innerhalb der Behörden in Fortfall käme und schließlich Zurverfügungstellung von Ländereien für die Juden, und setzte dazu in Klammer, das Wort Madagaskar. [9]
Aber all dies war hoffnungslos, bei der Sturheit der deutschen Bürokratie. Ich will nicht einmal sagen deutsche Bürokratie, eine jede Bürokratie ist egal weg, gleich stur. Nur die Nachrichtendienste aller Länder neigen eher zur Beweglichkeit; es liegt in der Natur ihrer Aufgabe.
Auch das SD-Hauptamt war um jene Zeit noch lange nicht so verbürokratisiert, wie es später werden sollte. Natürlich verlangt eine jede Behördenarbeit ihr Maß an Schematismus, dies ist klar; aber er dürfte keinesfalls zum Selbstzweck ausarten.
-(9)-
Kurze Zeit nach der Wiedervereinigung Österreichs mit dem Deutschen Reich, wurde ich nach Wien versetzt, um dort als Referent des SD-Oberabschnittes Donau, die Auswanderung der Juden lenkend zu betreiben. Es war Frühjahr 1938. Aber was sah ich, als ich nach Wien kam; ein zerschlagenes jüdisch-organisatorisches Gebilde. Von der Geheimen Staatspolizei geschlossen und versiegelt. Die jüdischen Funktionäre saßen in Haft. Die Juden wollten auswandern, aber keiner kümmerte sich um sie.
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Sie wurden von Behörde zu Behörde geschickt. Standen halbe Tage lang und mehr Schlange, und mußten dann hören, daß diese Stelle seit gestern nicht mehr für ihren Fall zuständig wäre.
Systemlos, ordnungslos; das Resultat war Verdruß, Ärger und Verstimmung auf beiden Seiten, wenn nicht noch Ärgeres.
Als erstes hielt ich den Assessoren und Regierungsräten der Staatspolizeileitstelle Wien, Vorträge, wie sie am besten jede Auswanderung behindern und verhindern können. Darüber war nicht viel mehr zu sagen als wie: gleichbleibende Tendenz. Dann entwickelte ich ihnen meinen von meinen Vorgesetzten genehmigten Plan. Enthaftung der jüdischen Funktionäre, Wiedereröffnung all jener jüdischen Organisationen, soweit sie der Auswanderung dienlich waren. Ferner die Genehmigung einer jüdischen Zeitung in welcher alles Wissenswerte über die Auswanderung und der damit verbundenen Dinge zu lesen war. Auftreibung von Reichsmarkbeträge(sic) zur Anfangsfinanzierung der jüdischen Organisationen, Einstellung von Hilfskräften und Errichtung jüdischer Wohlfahrtsstellen zwecks Betreuung der Kranken und Alten.
Nach all den unwahren Vorwürfen, die ich in den letzten fünfzehn Jahren über mich habe ergehen lassen müßen, mag es der Leser schwerlich glauben, daß ich solches tat. Daher setzte ich jetzt im Anschluß an diese Zeile eine
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Nummeration. Sie weist auf die Quellen hin. Und dies sind die Dokumente, in denen alles viel ausführlicher steht, als ich dieses hier mit mageren Worten zu schildern in der Lage bin. [10]
Als ich das jüdisch-organisatorische Leben so in Gang gebracht hatte und bei der Geheimen Staatspolizei Wien, auf Verständnis bezüglich der neuen Linie traf, da bewarb ich mich um eine freigewordene Abteilungsleiterstelle beim SD-Unterabschnitt in Linz a/Donau. In dieser Stadt wohnten meine Eltern, dort war ich aufgewachsen. Nach dorthin wollte ich nun wieder zurück.
Freilich, es war die unterste Instanz innerhalb des Gebildes des Sicherheitsdienstes, aber ich wäre wieder zu Hause gewesen und wer weiß, vielleicht hätte ich wegen Übernahme des elterlichen Geschäftes die Genehmigung bekommen, meinen Dienst eines Tages zu quittieren. Schicksal. Ich sage immer, es kann niemand über seinen eigenen Schatten springen.
Denn mein Chef in Berlin Prof. Dr. Six hatte von meinem Vorhaben Kenntnis erhalten und so schrieb er am 16. Mai 1938 meinem damaligen Vorgesetzten, dem SS-Oberführer Naumann nach Wien, daß ich keinesfalls von Wien fortzugehen habe, da er mich, falls ich in Wien nicht bleiben wolle, notfalls durch den Chef des SD -Hauptamtes, wieder nach Berlin zurückversetzen lassen würde.
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Ja, so war es schon 1938; im Frieden. Ich war nicht mehr Herr meiner Freizügigkeit; ich hatte zu gehorchen und daß(sic) zu tun, was mir befohlen wurde.
Ich habe meinen Söhnen später oft und oft gesagt, seht zu, daß ihr nie Offiziere werdet, denn dann seid ihr nicht mehr frei. Inzwischen war ich nämlich längst zum Offizier avanciert und meine Verhaftung an die Götter war noch bindender, als vorher geworden.
Ich hatte also befehlsgemäß in Wien zu bleiben. Die Einschränkungen, denen die Juden unterworfen wurden, waren immer fühlbarere. Das Amt des Reichskommissars für die Wiedervereinigung Österreichs mit dem Deutschen Reich war fleissig tätig, auch auf dem Sektor Juden, Verordnung um Verordnung herauszugeben.
Die Behörden behandelten die Juden gelinde gesagt schroff und unsachlich, gemäß den von höheren Orten ergangenen Weisungen, sodaß der seine Auswanderungspapiere komplett machen Wollende, hier nie auf einen grünen Zweig kam. Denn ein Teil der Dokumente, wie zum Beispiel die Steuerliche Unbedenklichkeitsbescheinigung hatte lediglich eine Laufzeit von sechs Wochen, nach der sie ungültig wurde und die Schlangensteherei zur Erlangung einer neuen Bescheinigung, von vorne angefangen werden mußte. Dazwischen
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aber wurden dann wieder andere Papiere ungültig, so daß es einer Schraube ohne Ende gleichkam.
Die jüdisch-politischen Funktionäre klagten mir ihre Not. Dr. Löwenherz, Dr. Rottenberg und Kom. Rat Storfer hatten täglich neue Anliegen, die sie mir vorbrachten.
Die Anklage gegen mich sagte, daß die Dokumente es ja beweisen würden, daß ich für alles, in des Wortes wahrster Bedeutung, die zuständige und verantwortliche Stelle im Hinblick auf Judenfragen in Wien, gewesen wäre.
Obwohl es, wie ich sofort nachweisen werde nicht zutraf, so kann ich der Anklage rein augenscheinlich, so Unrecht nicht einmal geben.
Denn man braucht ja nur einmal die Fülle der von Dr. Löwenherz dem Amtsdirektor der israelitischen Kultusgemeinde Wien gefertigten Aktennotitzen(sic) über die jeweils mit mir gehabten Rücksprachen in jener Zeit soweit es sich um solche handelt, welche damals, und nicht erst nach 1945 angefertigt wurden vornehmen.
Er kam buchstäblich mit allem und jedem zu mir.
Nun, es liegt mir ferne, mich besser machen zu wollen, als ich war. Warum aber mag Löwenherz, Rottenberg, Storfer und andere, hohe jüdisch-politische Funktionäre denn ausgerechnet zu
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mir gekommen sein? Ich war zu jener Zeit im Range eines Leutnant, später Oberleutnant und dann Hauptmann; es gab ja Stellen von entscheidenderer Bedeutung. Meine Dienstellung(sic) war lediglich die eines Referenten bei einem SD-Oberabschnitt; also nicht einmal im exekutiven, sondern nur im nachrichtenmäßigen Dienst.
Mein Jargon soll hart gewesen sein, so sagen die Zeugen von 1960 und 1961. In der Tat, ich muß es zugeben, mein Ton war kasernhofmäßiger Natur. Und trotzdem weiß ich, daß er frei war von beleidigendem Tenor, frei war von Rüpeleien, frei war von Gebrüll, kurz frei war von jener Begleitmusik, die der Wald- und Wiesenzivilist zu gerne jedem Kasernhofton, unterstellt.
Wie denn wäre es sonst möglich, daß man heute noch in einer solchen Löwenherz´schen Aktennotitz(sic) lesen kann, wie er bei mir beschwerdeführend vorspricht und mir klagend mitteilt, die Juden würden auf dem Wohnungsamt der Stadt Wien, schroff behandelt. [12]
Dies setzt doch voraus, daß die Juden weder von mir, noch von meinen mir damals unterstellten Offizieren, Unteroffizieren und Männern, schroff behandelt wurden.
Und überall dort, wo ich sachlich für mich keine Zuständigkeit erblicken konnte,
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ja darüber hinaus nicht einmal die Polizei zuständig war, setzte ich mich an das Telephon oder sprach bei der federführenden Behörde vor, um, auch dort in meinem Kasernhofton, daß(sic) abstellend zu erbitten, was Löwenherz drückte. Nicht immer gelang es mir; ich versuchte es.
Aber die jüdischen Funktionäre mußten letztlich mit der Kasernhofpflanze manierlich ausgekommen sein; denn auch sie konnten mit mir frei von der Leber weg sprechen, ohne sich ihre Worte zehnmal überlegen zu müßen, ehvor sie das Gehege ihrer Zähne verließen.
Und man konnte dies in jener Zeit nicht überall tun, ohne Gefahr zu laufen, dies wußten die Funktionäre.
Das Reich drückte auf Auswanderung. Die Juden wollten auswandern. Und alles was dem dienlich war tat ich, war ich zuständig für den einen oder anderen Fall, dann war es ohnedies klar; war ich nicht zuständig, dann wetzte ich ab, und versuchte es zu erledigen.
So kam es, daß man mir in den Ohren lag, und mir die Sprünge eines lahmen Amtsschimmels darlegte, der vor lauter Paragraphenreiterei überhaupt nicht mehr geradeaus marschieren konnte. Und man schlug mir jüdischerseits eine
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gewisse Zentralisierung der behördlichen Arbeit vor.
Na, dies war ja nun gerade daß(sic), wo man bei den Behörden, egal welchen Landes auf unserer Erde, stets in das Fettnäpfchen trat.
So etwas, was ich mir nun durch mein Kasernhofgehirn gehen ließ, war auch in der preußisch-deutschen Verwaltungsgeschichte noch nicht dagewesen.
Ich dachte so in meinem Sinn, alles was behördlicherseits mit der Ausstellung von Papieren an auswandernwollende Juden, zu tun hat, ran(sic) unter ein einziges Dach, und dann unter SD-Leitung. Dann muß doch solch ein verdammter Reisepaß anstatt in 10 oder 12 Wochen oder noch länger, in gut und gerne 2mal 24 Stunden fertig sein können.
Gedacht getan. Ich meldete dies alles meinem Chef, dem Inspekteur der Sicherheitspolizei und des SD, der in Personalunion gleichzeitig den SD-Oberabschnitt Donau führte.
Er machte die nötigen Wege, führte die notwendigen Verhandlungen mit dem Reichskommissar Bürckel; und auf dem Verordnungswege wurde die Zentralstelle für jüdische Auswanderung in Wien, geschaffen, zu der alle in Frage
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kommenden Behörden ihre Sachbearbeiter abzustellen hatten.
Die Leitung hatte der SD-Führer des Oberabschnittes Donau. Ich wurde von ihm mit der Durchführung der Aufgabe betraut, wie der Befehl es in der damaligen Terminologie besagte. [13]
Tatsächlich wurden Reisepässe jetzt in zwei, höchstens drei Tagen fertig. Einhundertdreißigtausend oder einhundertvierzigtausend solcher Reisepäße konnten in etwa Jahresfrist ausgefolgt werden.
Nun, wenn die Anklage in dem Prozess gegen mich behauptet, es wäre eine Zwangsauswanderung gewesen mit all ihren üblen Begleiterscheinungen, so hat sie damit eigentlich recht. Ich kann es auch nicht anders bezeichnen.
Aber zu bedenken wäre doch auch dieses: ich habe die for ç ierte Auswanderung ja nicht befohlen, wenngleich ich sie unter den gegebenen Umständen als die noch beste Alternative ansah und auch als beste Lösungsmöglichkeit im Hinblick auf die von der Reichsregierung eingenommene Stellung, den Juden gegenüber.
Die jüdisch-politischen Funktionäre, mit denen ich ja am laufenden Bande diese Angeheiten(sic) besprach, waren in Anbetracht der den Juden entgegengebrachten Tendenz, ja derselben Meinung.
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Auf meinem eigenen Mist ist die Sache nicht gewachsen. Irgendwo her muß ich ja die Anregungen bezogen haben. Von den Reichsstellen aber konnte ich solches nicht beziehen; dazu brauche ich nur auf die offizielle Stellungnahme Ribbentrops hinweisen. Und wenn man ferner sagt, ja damals ist weit und breit von einer Vernichtung der Juden noch keine Spur gewesen und trotzdem hat dieser Eichmann hier ein Auswanderungstempo vorgelegt, daß einer Sau grauste, dann muß ich nur sagen, daß das Ergebnis alleine zählt. Und kein hätte und kein wenn und kein aber.
Ich setze den Fall, die Auswanderung in jener Zeit wäre durch mich behindert worden, wie die Ribbentrop´sche Haltung es ja automatisch im Gefolge hatte, dann würde man mir heute dieserhalb den Strick drehen.
Also wie man sieht, was immer ich auch tat, gefangen wird der Kerl auf alle Fälle. Hay que tener paciencia!
/Zusatz auf Seite gegenüber: Hay que tener paciencia! (Man muß Geduld haben; span. Sprichwort in Argentinien wird es für alles Unklare gebraucht, hat also eine(sic) spezifischeren Sinn, als die bloße Übersetzung)/
Bueno, was tat sich in jener Zeit also weiter.
Die Paßausstellung und die dazu notwendigen Papierkramgeschichten liefen jetzt in einer unkomplizierteren Maschinerie. Das Komplizierte, hatte ich längst nach Kasernenhofart abgeschliffen.
Aber die Auswanderung kostet viel Geld; sehr viel Geld sogar. Und woher sollte man
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solches bei der allgemeinen Verarmung der jüdischen Massen nehmen. Sie waren ja aus dem gesamten wirtschaftlichen und gewerblichen Leben, sagen wir es kurz, aus allen Lebensgebieten schlechtweg, hinausgedrängt.
Da sollten Vorzeigegelder in Devisen vorhanden sein; die Reisekosten waren zu bezahlen; für die dringensten(sic) Unterstützungsfälle mußten von der jüdischen Kultusgemeinde Wien über ihr Wohlfahrtsamt Mittel aufgebracht werden; der Beamten- und Angestelltenkörper dieser jüdischen Kultusgemeinde in der Höhe von etwa 500 Köpfen mußte bezahlt werden und vieles andere mehr.
Keine Reichsstelle half; allen war dieses schnurz und egal. Diese Stellen befahlen nur Raus mit den Juden.
Löwenherz kam zu mir. Ich hätte ja sagen können, was geht dies alles mich an. Ich hätte dieses schon viel früher sagen können. Vielleicht stünde ich heute besser da, denn ich hätte mich von Haus aus nie so tief in diese Dinge eingelassen. Ich mochte Löwenherz und Rottenberg und Storfer gut leiden; sie mochten zweifelsohne auch mich. So lernte man sich immer näher kennen. Und so luden sie alles bei mir ab. Alles. Buchstäblich alles.
Sie hatten in mir einen Menschen gefunden, der sie anhörte; stundenlang, ohne die Geduld zu verlieren. Nicht so wie sie
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dies bei anderen Behördenvertretern gewöhnt waren. Dazu kam dann, daß dasjenige, was miteinander abgesprochen wurde, dann auch irgendwie tatsächlich funkte.
Also, jetzt war der Geldjammer an der Reihe. Ich selbst habe kein Geld; ich persönlich war immer schon vermögenslos gewesen und blieb es. Ich habe keinerlei buchhalterische Stärken; Kontobücher und dererlei Dinge, sind mir stets ein Greuel gewesen. Und ob ich persönlich hundert oder fünfhundert Mark in der Tasche hatte, war mir egal. Ich hatte zum Geld kein persönliches Verhältnis. In meinem Haushalt schaltete und wirtschaftete meine Frau; darüber war ich froh und so brauchte ich mich selbst um diese Dinge nicht zu kümmern.
Und jetzt auf einmal wurde ich mit solchem Greuel angegangen. Aber ich muß es sagen, wenn es sein muß, dann befaßt man sich auch mit Dingen, die man nicht versteht. Und in meinem finanztechnischen Unverstand denn nur solcher konnte in seiner Harmlosigkeit solchen Dingen gegenüber, so etwas zustande bringen, was ich nun in die Wege leitete stellte ich mir die Angelegenheit gar nicht einmal so schwierig vor. Die jüdischen Funktionäre mußten nur
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in das Ausland fahren, dazu verschaffte ich ihnen die Genehmigung, von den jüdischen Hilfsorganisationen Dollars erbitten und damit nach Wien zurückkommen. Dann verkauft die Kultusgemeinde einen Teil dieser Dollarbeträge an Juden, welche noch viel Geld hatten zu einem Mehrfachen des amtlichen Kurswertes und mit diesem Reichsmarkerlös bezahlte sie Gehälter für ihre Angestellten, Unterstützung, Reisekosten für die vermögenslosen Juden und gab ihnen jenen Dollarbetrag als Darlehen, welchen sie als Vorzeigegelder benötigten.
Manche der Einwanderungsländer witterten darin ein Geschäft und erhöhten diese nun laufend.
So war alles gut und schön, aber ich dachte nicht daran, daß wir unter strengster Devisenbewirtschaftung standen.
Nun, auch dieses konnte ich dann endlich mit Hängen und Würgen einer Erledigung zuführen, indem ich den Reichsbankrat Wolf aus Berlin, er war im Reichwirtschaftsministerium, in der Devisenbewirtschaftungsabteilung tätig, nach Wien eingeladen hatte. Wir kannten uns schon von Berlin her. Ich erklärte ihm meinen Plan. Er besprach dann diese Angelegenheit mit seinem Staatssekretär, welcher sie genehmigte. Es war dies auch gut so,
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denn mir wurde bereits vorgeworfen, daß meine Praktiken zu einer theoretischen Unterbewertung der Reichsmark führen müße(sic), indem hier der Dollar gewissermaßen offiziell, zu Schwarzmarktpreisen in Reichsmark verhökert würde.
Damit und wie man aus den Löwenherz´schen Aktennotitzen(sic) weiter entnehmen kann, mittels anderer finanzieller Angelegenheiten, wurde der geldliche Teil dieser Dinge erledigt. [14]
Am 10. November wurde von der politischen Führung des Reiches auf dem jährlichen Treffen in München, am 9. Nov. 1938, als Vergeltung für die Niederschießung eines deutschen Botschaftsrates in Paris durch einen Juden, zu einer Vergeltungsaktion im ganzen Reichsgebiet aufgerufen.
Die offizielle Berichterstattung in jener Zeit durch den SD-Oberabschnitt Donau zeigt dokumentarisch, daß, von wenigen Ausnahmen abgesehen, die Dienstellen(sic) der Geheimen Staatspolizei und des SD, scheinbar durch einen Fehler in der Nachrichtenübermittlung, erst dann dieserhalb verständigt wurden, als die Synagogen und die Häuser der israelitischen Kultusgemeinden bereits brannten. Jüdische Geschäfte wurden zertrümmert und die Juden zu Tausenden eingesperrt.
------ Die Götter wandelten sich offensichtlich zu
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Götzen. Diese Befehle waren nicht nur unsinnig, sie waren verbrecherisch.
Die Gesetzesfabrikation, die sah derjenige nicht, der nichts damit zu tun hatte. Die praktische Durchführung der gesetzlich verankerten Maßnahmen, betraf nicht den SD-Angehörigen, denn er hatte keinerlei exekutive Vollmachten.
Aber die folgen der Reichskristallnachtbefehle, die trafen in ihrer Unsinnigkeit diesmal auch mich. Denn was ich mit Mühe in Österreich wieder aufgebaut hatte, nämlich ein funktionierendes jüdisch-organisatorisches Leben, freilich mit Blickpunkt auf Auswanderung, wurde in einer einzigen Nacht wieder zerschlagen.
Das Büromaterial, Karteikarten, Akten, die Auslandskorrespondenz, kurz alles wurde ein Raub der Flammen. Dazu kam(sic) die Verhaftungen von Funktionären der jüdischen Organisationen. Ich tat interessenbedingt was ich konnte, um zu retten was noch zu retten war. Aber viel war es nicht. Die Funktionäre bekam ich allmälig(sic) frei.
Ich erspare mir das Anführen von Einzelheiten, denn es sähe mir zu sehr nach Selbstbeweihräucherung aus. Ich mußte nun wieder einmal aufbauend tätig werden.
Scharfe und schärfste Bestimmungen gegen die Juden, hatten diese Zerstörungsbefehle obendrein zur Folge. Auch in finanzieller Hinsicht. Eine Verfügung des Devisenfahndungsamtes in Wien besagte, daß Juden von ihren
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Konten monatlich nur noch Beträge bis zum Höchstwert von vierhundert Reichsmark abheben können.
Dies wäre für den Betrieb der jüdischen Kultusgemeinde ein vernichtender Schlag gewesen, wäre diese Verfügung auch auf sie ausgedehnt worden.
Aber sie wurde ausgenommen und konnte von ihren Konten, Summen in jeder, dem Bedarf entsprechenden Höhe abheben. Die Zentralstelle für jüdische Auswanderung gab bei Abhebung größerer Beträge jeweils ihre Befürwortung dazu. [15]
Bei jungen Juden war oftmals der Nachweis über einen erlernten praktischen Beruf die Voraussetzung für die Erteilung einer Einwanderungsgenehmigung. Also mußten auch solche Stellen geschaffen, und hier bei den örtlichen Staats- und Parteistellen um Verständnis dafür geworben werden. Natürlich blieb auch solches Bemühen, bei der uneinheitlichen Ausrichtung der diversen Amtsträger schließlich an mir hängen.
Da heißt es beispielsweise in einer Aktennotitz(sic) von Dr. Löwenherz über eine Rücksprache mit mir, am 9. März 1939, Der Leiter des Palästinaamtes erhielt den Auftrag einen Bericht über die Möglichkeit der Errichtung einer landwirtschaftlichen Hachscharah (Umschulung) auf dem Gute Markhof zu erstatten und darauf
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hinzuweisen, welche staatlichen und Parteistellen, für und gegen die Errichtung dieser Hachscharah sind.
In demselben Aktenvermerk von Dr. Löwenherz und Dr. Rottenberg heißt es dann weiter: Herr SS-Hauptsturmführer Eichmann erklärte sich bereit, die Gebeine Herzls zwecks Überführung nach Palästina freizugeben, jedoch unter der Voraussetzung, daß aus diesem Anlaß die jüdischen maßgebenden Organisationen neue Einwanderungsmöglichkeiten für 8.000 Personen aus der Ostmark verschafft werden (sic), und beauftragte die Gefertigten, diesbezüglich gelegentlich ihrer Anwesenheit im Auslande, die erforderlichen Verhandlungen zu führen.
Natürlich konnte ich hier nicht selbst freigeben. Wie jedermann weiß, sind für solche Exhumierungsgenehmigungen viele Wege bei den hierfür zuständigen Behörden erforderlich. Und um jene Zeit der Nachreichskristallnacht, hatte auch ich bei den verschiedensten Behörden, in allen Dingen wenn es sich um Juden handelte, große Schwierigkeiten.
Es ist nachträglich immer sehr leicht, jemanden - ich spreche jetzt von mir mit diktatorischen Vollmachten ausgestattet darzustellen und die Konstruktion so zu führen, daß dieser Mensch dann
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einfach in Bausch und Bogen verantwortlich für alles gemacht wird. Es ist interessanter, es liest sich leichter und es ist unter Umständen auch gar nicht inopportun.
Nur wieder meine Person herangezogen es trifft nicht zu und ist daher nicht wahr. [16]
Wenn ich heute, nach 22 Jahren so die Dokumente jener Zeit betrachte, dann muß ich mich fragen, wie ein vernünftiger Mensch ausgerechnet mir Haß und Vernichtungswillen unterstellen kann. Im Gegenteil, ich muß den jüdisch-politischen Funktionären gegenüber doch sicherlich wohlwollend eingestellt gewesen sein; frei ohne jeden persönlichen Haß, denn man könnte ja fast von einem gegenseitigen dienstlich bedingten Vertrauen sprechen, daß(sic) unschwer aus und zwischen den Zeilen jener Dokumente herauszulesen ist.
/Einschub Text von Seite gegenüber:
Da kam einmal an einem Vormittag der von der israelitischen Kultusgemeinde, Wien, mit übrigen jüdischen Beamten dieser Institution, in die Zentralstelle für jüdische Auswanderung, eingebaute Jurist zu mir. Ein Dr. Sowieso; den Namen habe ich vergessen.
Während der Nacht hatte die Staatspolizei, Verhaftungen vorgenommen. Wir besprachen das Ereignis und er meinte dann: frecher Judenlümmel greift harmlosen deutschen Löwen an. Und im selben Atemzuge meinte er, aber er wüße, zu wem er solches sagen könne.
Ich sagte ihm, da habe er zwar recht mit seinem Wissen, aber wenn er solches anderwärts anbringe, müße er sich nachher unter Umständen in einer Polizeizelle sagen Hättest du das Maul gehalten, wärest du ein Weiser geblieben; diese Übersetzung hatte mir einer meiner Lateinlehrer für Si tacuisses philosophus mansisses gegeben. Wohingegen einmal mein Maschinenbauprofessor anläßlich einer Statikprüfung zu mir sagte: Gehirn ausgeschaltet, Schnauze läuft leer mit. Und ich sagte dem Juristen, ich möchte nicht gerne haben, daß er sich solche Selbstvorwürfe eines Tages machen müße, weil uns beiden damit nicht gedient wäre; denn es säße, und ich müßte für ihn intervenierend tätig werden./
Aber meine Aufgabe soll es nicht sein, auf diese Stellen im einzelnen hinzuweisen; mögen dies Berufenere eines Tages tun oder auch lassen, mir ist es egal. Ich war daneben förmlich so etwas wie eine Beschwerdestelle, zu der man mit allen Anliegen kommen konnte, und ich wahrte sicherlich eine tendenzlose Korrektheit gegenüber den Juden und Nichtjuden; und ganz sicher kamen sie nicht zu mir
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voll, von persönlicher Angst.
Freilich läßt es sich nicht leugnen, daß später mit zunehmenden Kriegsgeschehen die Verordnungen und Befehle auch meiner Vorgesetzten, welche ich an die in Frage kommenden Dienststellen weiterzuleiten hatte stets schärfer und radikaler wurden.
Aber noch war es in Wien nicht so weit. Wenngleich der zunehmende Druck der staatlichen und parteilichen Leitung in Österreich, nach einer beschleunigten Entjudung, stets fühlbarer wurde.
Wäre ich wirklich der Haßer, der Bluthund, der ordinäre Fletz gewesen, so wie mich manche Zeitgenossen nach 1945 gerne darstellten, dann würde man dies zweifelsfrei irgendwie sogar zwischen den Zeilen der Löwenherzschen Aktennotitzen lesen können, aber mir will wirklich scheinen, als ob es das Gegenteil wäre. Ich spreche hier natürlich von den Dokumenten, die vor der Beendigung des Krieges angefertigt wurden. Und dabei ist der Stil beispielsweise von Dr. Löwenherz als durchaus trocken und sachlich zu bezeichnen.
Das damalige amtliche Deutschland, an seiner Spitze das Auswärtige Amt, schufen eine Schraube ohne Ende, eine sich in den Schwanz beißende Katze, und es hatte schließlich als seiner Weisheit letzten Schluß, kaum andere Befehle zu erteilen als solche, wie sie zur Reichskristallnacht führten. Andere Mächte, zu deren Sprecher sich in Berlin der britische Botschafter machte, erklärten, keine Juden ohne Kapital.
Ja, in drei Teufels Namen, was sollte denn da noch an Möglichkeiten zur Verfügung stehen. Ich habe es oft fast schon beweint, in jener Zeit meine
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Hände nicht in die Tasche gesteckt und die Stellungnahme vieler anderer, auch mir zu eigen gemacht zu haben. Ich stünde wahrlich heute besser da.
/gestrichen: Bueno, ich habe sie aber nun einmal wie man sieht nicht in die Tasche gesteckt. Ein weiterer Satz unleserlich gemacht./
/nachträglicher Zusatz zum Schluß des Abschnitts: Ob aber dann die Mehrzahl der Juden aus Österreich hätte auswandern können, mögen andere überprüfen./
Ich ging in Wien damals den Mittelweg zwischen jenen beiden Extremen, nämlich: der Auswanderungsbehinderung auf der einen Seite, verbunden mit verschärftem gesetzgeberischen Druck durch die amtlichen deutschen Stellen; und der Erklärung des Auslandes andererseits, keine vermögenslosen Juden aufnehmen zu wollen.
-(10)-
Während des Prozesses gegen mich, wurde einige Male der Hitler´sche Ausspruch in seiner Rede vor dem deutschen Reichstag am 30. Januar 1939 erwähnt:
Ich will heute wieder ein Prophet sein. Wenn es dem internationalen Finanzjudentum in- und außerhalb Europas gelingen sollte, die Völker noch einmal in einen Weltkrieg zu stürzen, dann wird das Ergebnis nicht die Bolschewisierung der Erde und damit der Sieg des Judentums sein, sondern die Vernichtung der jüdischen Rasse in Europa. [17]
/zwei Zeilen unleserlich gemacht/
Es passt zum Märchen der Protokolle der Weisen von Zion und den Ritualmordmärchen.
Natürlich ist das internationale private Großkapital zu einem guten Hauptteil
/104/ AE: 77
mitschuldig, ja ursächlich verantwortlich an der Not der Völker, für den Kummer und das Leid, als Gefolge der von ihm heraufbeschworenen Kriege. Aber töricht ist es, hier von einem jüdischen internationalen Finanzblock sprechen zu wollen. Soferne es sich hier um Juden handelt, die auch in den gewaltigen internationalen Finanzkartellen mit drin saßen, handelte es sich ganz zweifellos um Juden, denen ihr Judentum genau so wenig oder so viel bedeutete, als die katholischen oder protestantischen Finanzmagnaten sich um Katholizismus oder Protestantismus gekümmert haben mögen. Das vorherrschende Charakteristikum gerade dieser Juden war ihre assimilatorische Einstellung. Nicht immer zur Freude des wirklich überzeugten Juden.
Nein, die internationale Hochfinanz war und ist mit das größte aller Übel; daran gibt es nichts zu rütteln. Aber hier den Tenor auf das Wort Jude zu legen, heißt die Sachlage verkennen.
Und Hitler verkannte die Sachlage, wie so oft, so verhängnisvoll oft; so auch hier.
/105/ AE: 77a
Ich will daß(sic), was ich eben sagte, genauer erklären. Es mögen die Jahre 1936 und 1937 gewesen sein; da ging eine Abteilung des damaligen SD-Hauptamtes der Angelegenheit Internationales Finanzjudentum, Internationale jüdische Hochfinanz nach. Ich persönlich hatte sachlich nichts damit zu tun, denn der Schwerpunkt lag hier bei der Wirtschaftsforschung. Aber ich habe manche Akte gelesen, die im Zusammenhang mit diesem Nachforschen entstand. Auch hatte ich Gelegenheit, zu jener Zeit mit dem einen oder anderen hierfür zuständigen Referenten ab und an über diese Fragen zu sprechen. Ich entsinne mich noch, daß gerade das Ergebnis der Untersuchungen über den Unilever-Konzern vorlag; es war ein gewaltiges Margarine und Seifenkartell und es waren diesem noch weitere große Unternehmungen angeschlossen. Seine wirtschaftlichen Verflechtungen waren wahrhaft internationale. Seine Aktienpaketinhaber, wenn ich nicht irre auch Teile seiner Verwaltungsratsvorsitzenden, waren zum Teil Juden, oft und oft genannt, mit ebenfalls internationalem Klang. Ja, man sprach Teile des Unilever-Konzernes direkt als Familiengebilde an.
Es stimmte auch, daß einzelne Namensträger innerhalb dieses Wirtschaftsgebildes lebhafte Beziehungen beispielsweise zur Anti-Difamations-Liga, zur Anti-Nazi-Liga, zu dem Leiter der Boykottbewegung gegen Deutschland, Samuel Untermyr, hatten und auch zu vielen anderen politischen und wirtschaftlichen Zentren, wie das nun eben einmal so das Getriebe der Multi-Millionäre in der Hochfinanz, mit sich bringt.
Nun, meine Einstellung zur Boykottbewegung habe ich geschildert.
Es konnte trotz eifrigen Nachforschens der Hebel dieser Ermittlungstätigkeit wurde damals in Holland angesetzt und erstreckte sich auf eine ganze Reihe von Ländern, ein-
Fortsetzung siehe auf dem
Beiblatt No 1 !!!
/106/ AE: 77b
1. Beiblatt zur Seite 77a
schließlich der USA, - nichts anderes gefunden und festgestellt werden, was nicht ebenso auch auf irgend einen Wald und Wiesenkaufmann, welche sich dieser Boykottbewegung angeschlossen hatte, festgestellt hätte werden können. Sicherlich sind ihre finanziellen Unterstützungen größer gewesen, als die jener minderer(sic) Bemittelten. Dafür aber auferlegten ihnen die Rücksichtnahme(sic) auf ihre Wirtschaftsbetriebe ein ungleich höheres Maß an Vorsicht und Zurückhaltung, als solches die kleinen Leute notwendiger Weise zu beachten gehabt hätten.
Mit anderen Worten: nichts Belastendes ergab sich, was der Mühe wert gewesen wäre, es lauthals in alle Welt hinauszuposaunen. Und das SD-Hauptamt saß damals wie man fachmännischerweise zu sagten(sic) pflegte sehr gut im Unilever-Konzern drin.
Wäre wirklich etwas festgestellt worden, dann wäre dies unter Anführen aller Einzelheiten spätestens bei der Besetzung Hollands durch Goebbels Vermittlung einer internationalen Presse und sicher auch dem diplomatischen Korps in Berlin bekannt gegeben worden; wie dies nun einmal so üblich war. Daß es bis 1945 aber nicht geschah, ist eine Bestätigung der Richtigkeit meines Geschilderten.
Natürlich war es ein geflügeltes Wort, das internationale Finanzjudentum. Aber man nehme doch einmal die Summe aller Multimillionäre
/107/ AE: 77c
mit Dollarbasis her, und dann sehe man nach wie hoch die Zahl der jüdischen und wie hoch die Zahl der nichtjüdischen Dollar-Multimillionäre ist; unter Beachtung der von ihnen vertretenen Dollarsummen.
Ebenso mache man es mit den Vorsitzenden der Aufsichtsräte von Unternehmungen, Konzernen und Kartellverbänden, denen einige Bedeutung in internationaler Hinsicht zuzumessen ist; zwar ist nicht unbedingt und notwendigerweise Aufsichtsräten, Mitgliedern der Exekutivkomitees(sic) und Vorsitzenden solcher Körperschaften der Status eines Multimillionärs zuzusprechen, wohingegen ihr wirtschaftlicher Einfluß ein enormer sein kann.
Was sieht man? Sicher nichts anderes, als daß(sic), was auch wir seinerzeit im SD-Hauptamt sahen. Die Zahl der Juden, war im Vergleich zur Zahl der Nichtjuden sehr gering.
Der einzelne Konzern, der einzelne jüdische Finanzmagnat, der einzelne nichtjüdische Aufsichtsratvorsitzende oder Dollar-Multimillionär, vermochte gegen das Reich nicht mehr zu unternehmen, wie eine Stecknadelspitze gegen eine Elefantenhaut.
Erst in ihrer Zusammenballung, in dem Einigsein des Großteiles der internationalen Hochfinanz zur Zielerreichung, da wird diese Macht finster und gefährlich.
Aber ab diesem Augenblick hat der Jude als solcher damit nichts mehr zu tun; er ist nur noch ein Prozentsatz im Volumen Einhundert; ein Prozentsatz, der haushoch entfernt von einer Majorität ist.
/108/ AE: 77d
So war es jedenfalls in jenen Jahren, von denen ich spreche.
Und nachdem mir solches, als kleiner Referent bekannt war, um wieviel mehr mußte es den Führungsspitzen bekannt gewesen sein. Denn für sie wurden ja diese Nachrichtenuntersuchungen geführt und an sie gingen ja die Berichterstattungen.
Wenn ich sage, daß wir Referenten im Reichssicherheitshauptamt, bei einer solchen Rede Hitlers, daher nur an die Erzielung einer propagandistischen Wirkung glaubten, dann mag dies seine Richtigkeit haben. Am 30. Januar 1939 hat meines Erachtens in ganz Deutschland im Ernst niemand an eine physische Vernichtung des Judentums gedacht. Der Gedanke selbst schon wäre auch zu absurd gewesen; und ich wage dies zu behaupten trotz aller wirklich sehr scharfen Maßnahmen, welche bis dahin gegen die Juden Anwendung fanden.
Denn, daß jede Politik in allen Ländern eine einzige große Lüge und ein einziger großer Betrug ist, dies wußte auch damals schon ein jeder Mensch in allen Ländern, sofern er nur Zeitung lesen konnte.
Der Jude wurde wie schon so oft in seiner Geschichte auch von der obersten Führung des Reiches als Katalysator benutzt, an dem sich alle ihre Mißerfolge und prophylaktisch auch alle eventuell kommenden Schwierigkeiten und Ungelegenheiten, niederzuschlagen hatten.
An dieser Grundeinstellung hat sich nichts geändert; so entstand das Propagandabild der Protokolle der Weisen von Zion, so entstand das Ritualmordmärchen, zu seiner Zeit. Es ist dies beileibe nicht erst meine Einstellung zu den Dingen, seit ich hier als
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Staatsgefangener in einem israelischen Gefängnis sitze. Ich verdanke diese meine Kenntnis im Wesentlichen der Erkenntnis meines Lehrer auf diesem Gebiet, dem Freiherrn von Mildenstein. Er sah die Dinge leidenschaftslos und nüchtern, so wie sie in Wahrheit lagen. Frei von Mystizismus, frei von Stürmerauffassung und frei von propagandistischen Truggebilden.
Die Richtigkeit seiner Auffassung konnte ich in langen Jahren, an Hand der amtlichen Unterlagen bestätigt finden.
Daß der einzelne jüdischen Finanzmagnat genau so schlecht oder genau so gut wie der einzelne nichtjüdische Finanzmagnat gewesen ist und alle zusammen noch immer so sein werden ist eine sonnenklare Angelegenheit, hat aber mit Judentum nichts zu tun.
Ich denke in diesem Augenblick an eine andere Geschichte, die man mir erzählte, deren Glaubwürdigkeit oder Nichtglaubwürdigkeit sehr leicht nachzuprüfen ist. (Zusatz für den Lektor: sollte es nicht stimmen, dann bitte diesen Absatz in Fortfall kommen zu lassen. Der Gewährsmann, der es mir erzählte war ein zwar gediegener Wirtschaftler, aber ich habe es mit eigenen Augen nicht amtlich gesehen. Daher meine Vorsicht.)
Als dem Volkswagenwerk in Deutschland von der englischen Besatzungsbehörde die Wiederingangsetzung des Betriebes erlaubt wurde, geschah dies mit der Auflage, für jeden verkauften Volkswagen Eintausend Deutsche Mark an England abzuliefern.
Dies ist zum Beispiel solch ein Raubzug der Hochfinanz. Konkurrenzneid und Wirtschaftsangst diktieren hier dem einzelnen Verbraucher den mittelalterlichen
/110/ AE: 77f
2. Beiblatt zu 77a.
Zehent auf. Diese Summen fließen netto in die Taschen der daran interessierten englischen Kapitalistenkreise. Daß das englische Volk, der englische Arbeiter, davon keinen Pfennig sieht, ist klar. Es ist der Tribut, den der Volkswagenkäufer dafür zu bezahlen hat, daß die englische Kleinwagenindustrie eben einen gewissen Prozentsatz weniger Wagen abstoßen kann. Soviel ich weiß, haben Juden beispielsweise hier nicht mit zu tun gehabt.
Aber man wird mir vorhalten, daß es doch unleugbar sei, daß den Juden im Vergleich zu seiner Gesamtbevölkerung in Deutschland, ein unverhältnismäßighoher Anteil an Bank und Börse, an Kunst, Schriftum(sic), Film und Theater zukam; ferner am Handel im allgemeinen, an gewissen Berufssparten wie Ärzten usf., auf dem Gebiete der Rechtssprechung und Erziehung und was dergleichen nochmehr sein mag.
Jawohl, da muß ich sagen, daß dies stimmt. Und es war ja auch die Masche, in welche die nationalsozialistische Propaganda immer wieder hineinhaute.
Es war dies wohl mit gewissen zeitgeschichtlichen Abweichungen in der einen und anderen Form so, seit Jahrhunderten und noch länger.
Es führte diese Tatsache auch immer wieder mit zu Pogromen und Wirtschaftsdruck auf die Juden.
Viele schlachteten diese Tatsache zu ihrem Vorteil aus; die Landesfürsten zum Wohle ihrer
/111/ AE: 77g
Privatschatulen(sic); und die Politiker zum Fange der Stimmen die sie benötigten, um an den Drücker zu kommen. Alle benützten diese für ihre persönlichen Ambitionen willkommene Gelegenheit, um unter spekulativer Ausnützung erwachter Neidtriebe im Menschen, ihr Ziel zu erreichen, daß(sic) sie sonst mangels eigener Geistesgaben kaum oder viel schwerer hätten erreichen können. /ein Satz unleserlich gemacht/
Zweierlei Ursachen sind es, denen die Juden ihr Los zu beklagen hatten.
Die Jahrhunderte währenden Exile, in welche die Juden lange vor der Zeitenwende abgeführt wurden. Nach Babylonien, nach Ägypten. Gewisse Berufszweige waren ihnen hier gestattet, andere untersagt. Selbst in Mittelalterlicher(sic) Zeit war es oft noch so. Und wenn man nachsieht, was ihnen damals erlaubt war, betreiben zu dürfen, dann waren es in der Mehrzahl der Fälle, jene Berufe in welchen die Juden der Neuzeit einen größeren Anteil hatten, als es ihrer Gesamtzahl zur Einwohnergesamtzahl entsprach. Es war ganz klar, sie waren darauf zwangsläufig spezialisiert worden.
Zum anderen trug Schuld daran die Tatsache, daß den Juden die Möglichkeit zur Eigenstaatlichkeit verwehrt war.
Und da nun jeder Nationalismus potenzialer Egoismus ist, so sollte anfänglich das Problem in Deutschland durch Auswanderung gelöst werden. Dies war nicht neu, dies hatte zahlreiche Präzedenzfälle in der Geschichte, ich erinnere nur an die Judenaus-
/112/ AE: 77h
treibungen Isabellas der Katholischen. Die äußeren Deklarationen der Motive wechselten im Laufe der Zeiten. Das Motiv selbst blieb sich stets gleich. /nachträglicher Zusatz: Ich persönlich wies stets und nachdrücklich darauf hin, daß nur Eigenstaatlichkeit das Problem löse. Aber hier unterlag ich stellungsmäßig sowohl als auch im Kampf mit Lügen und Gegenpropaganda./
Und ich behaupte heute, daß das ganze menschliche Zusammenleben, zumindest in seiner zweitausendjährigen neueren Zeit aber sicherlich auch vordem eine einzige große und gewaltige Betrugs- und Lügensymphonie ist. Bernard Shaw, der Menschenkenner und Spötter, erzält(sic) uns eine nette Geschichte:
Sobald eine Lüge populär geworden ist, daß(sic) werden alle Märchen, ist es unmöglich sie einzuholen, wenn sie einmal einen Vorsprung hat.
Von Lord Melbourne, dem Mentor der Königin Victoria, als diese den Thron bestieg, erzählt man sich, er habe bei einer Zusammenkunft mit seinen Ministerkollegen, mit seiner Person die Türe des Beratungszimmers verstellt und ihnen zugerufen: Es ist mir ganz egal, was für eine gottverdammte Lüge wir erzählen müßen, aber nicht einer von Ihnen verläßt dieses Zimmer, bevor wir uns auf eine und dieselbe gottverdammte Lüge geeinigt haben.
So viel zu diesem Kapitel.
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/104+113, 114/ AE: 77+78
-(11)-
Die deutschen Panzer rasselten durch Prag. Die goldene Stadt an der Moldau. >Slata Praha<, wie der eche zu seiner Hauptstadt, der baulich schönsten aller mitteleuropäischen Hauptstädte, wenn nicht darüber hinaus, sagt. Wer an der Moldau steht und seine Blicke über die steinernen Heiligen der Karlsbrücke, hinauf zum Hradschin und Veitsdom gleiten läßt
und hierbei nicht dem Zauber der Jahrhunderte sinnierend erliegt, kann kein Lebender mehr sein.
Ich kannte Prag noch aus tiefster Friedenszeit. Ich kannte Prag, als es noch zur K.u.k.österreich-ungarischen Monarchie /verschrieben, Korrektur gegenüber auf S. 113/ gehörte und ganz besonders verstehend und liebend lernte ich diese reizvolle Feste an der Moldau in den Jahren 1931 bis 1933, kennen.
Aus den verträumten Gäs´chen(sic) der Altstadt und des Hradschin, umwehte einen der Hauch des Mittelalters; von Gewerbefleiß und Baukunst kündend.
Und tausend alte Sagen und mehr raunten sich durch das lauschende /verschrieben, Korrektur gegenüber auf S. 113/ Ohr. Und vergoldet leuchteten hundert Türme und Kuppeln in den letzten Strahlen der untergehenden Sonne.
Oh, wie liebte ich Prag.
Doppelt heimelig war sie mir, diese Stadt; als städtebauliches Kleinod und meine Verlobte in jenen Jahren, meine spätere Frau, war obendrein in der echoslowakei beheimatet.
In wenigen Tagen, werden dreißig Jahre vergangen sein, seit jener Zeit, da ich Prag zu lieben anfing.
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Mitte 1939 erhielt ich Befehl nach Prag zu fahren und mich bei dem dortigen Befehlshaber der Sicherheitspolizei und des SD, zu melden. Es sollte das Spiegelbild der Zentralstelle
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für jüdische Auswanderung, Wien, aufgezogen werden.
Genau war es der 28. Juli 1939, an dem in Prag die Zentralstelle zu arbeiten anfing.
Bis dahin gab es noch keine einheitlich geregelte Auswanderung. Wer von den Juden auswandern wollte, mußte sich die notwendigen behördlichen Dokumente selbst beschaffen. Damit ging er zur Durchlaßscheinstelle der Geheimen Staatspolizei, die darüber entschied, ob dem Betreffenden die Auswanderung genehmigt wurde oder nicht.
Nach Errichtung dieser Zentralstelle für jüdische Auswanderung Prag, wurde der jüdischen Kultusgemeinde Prag übertragen, dafür zu sorgen, daß die auswandernden Juden die gesetzlichen Voraussetzungen erfüllten. Der Durchlaßschein, der zum Verlassen des Protektoratsgebietes berechtigte, wurde nunmehr von dieser Zentralstelle ausgegeben. Es waren eine große
Anzahl Dokumente notwendig, um in jener Zeit in das Ausland auswandern zu können und ich gehe kaum fehl, wenn ich sage, daß diese Anzahl für Juden und Nichtjuden so ziemlich die gleiche war. Dazu gehörten:
1.) Wohnungsnachweis von der Polizeidirektion;
2.) Polizeiliches Führungszeugnis;
3.) Sichtvermerkerteilung durch den Oberlandrat Prag;
4.) Gesuch um Ausstellung eines Reisepasses, an die Polizeidirektion Prag und an das Oberlandratsamt in Prag;
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5.) Formblatt für einen Auswanderungspaß, von der Polizeidirektion in Prag;
6.) Bestätigung des Magistrates der Stadt Prag, über die Bezahlung der Gemeindeabgaben;
7.) Gesuch an die Gruppe VII/Wirtschaft/ des Reichsprotektors;
8.) Gesuch und Fragebogen an die Steueradministration zwecks Erlangung einer Steuerlichen Unbedenklichkeitsbescheinigung;
9.) Ausgefüllter Fragebogen des staatl. Gebührenamtes;
10.)Antrag auf Mitnahme des Umzugsgutes an die Revisionsabteilung des Finanzministeriums und an die Nationalbank;
11.)Verzeichnis des Umzugsgutes an die Revisionsabteilung des Finanzministeriums;
12.)Vermögensbekenntnis für das Devisenschutzkommando der Zollfahndungsstelle.
13.)Bestätigung der Bezahlung der Auswanderungssteuer, Abgaben bezüglich des Umzugsgutes usf. im Sinne der Regierungsverordnung No 287/1939;
und anderes mehr.
Wie man sieht, war es nicht nur in Prag alleine schon schwer, diese Vielfalt von Bestimmungen zu erfüllen. Für den Einzelmenschen oft eine Qual. Es hatte die Schaffung einer zentralen Stelle schon recht viel für sich; freilich hatte sie auch ihre Nachteile.
Und es mögen diejenigen werten und bewerten zwischen Vorteil und Nachteil,
/117/ AE: 81
die in die Notwendigkeit kamen, im(sic) Besitze solcher Bescheinigungen zu gelangen. Sie werden es wissen.
Ich sagte diejenigen, welche in die Notwendigkeit kamen.
Ja, und da geht mir durch den Sinn:
Ich trat der Nationalsozialistischen Deutschen Arbeiter Partei bei, weil sie gegen das Unrecht von Versailles kämpfte,
/eine Zeile unleserlich gemacht/
Gegend(sic) das Diktat;
Gegen Besatzung;
Gegen nationale Schmach;
/eine Zeile unleserlich gemacht/
Gegen Landraub.
Und was brachten wir?
Unrecht;
Diktat;
Besatzung;
Nationale Schmach;
/eine Zeile unleserlich gemacht/
Landraub.
Es ist wahr; genau daß(sic), brachten wir!
Genau daß(sic), alles, rasselte im Gefolge unserer Panzer, gegen daß(sic) wir einstens uns erhoben und aufstanden.
Alles dies und noch viel mehr diktierten wir anderen Völkern auf.
Es ist wahr: ein Unrecht schafft das andere Unrecht nicht aus der Welt.
Und unsere damalige Führung hätte solches erkennen müßen. Sie waren die verantwortlichen Politiker.
/118/ AE: 82
/gestrichen, offenbar daraufhin als Schlußsatz auf die vorige Seite gesetzt: Sie waren die verantwortlichen Politiker./
/7 Zeilen bis zum Schluß des Abschnitts unleserlich gemacht/
/weitere 6 Zeilen unleserlich gemacht/
/6 Zeilen bis zum Schluß des Abschnitts gestrichen, zum Teil noch lesbar: Form geworden wäre; nicht daß ich predigend oder schreibend diese Ideologie landein, landab verkündet hätte, etwa einem Reichsredner gleichend. Nein, dies nicht./
/weiterer Abschnitt von 5 Zeilen unleserlich gemacht/
/9 Zeilen bis Ende der Seite gestrichen, noch lesbar: Und diese Einstellung war es, die mich weiterhin als Diener im Tanz um die Götter verharren ließ. Freilich, es war damals schon schwer, sehr schwer aus diesen Reihen zu brechen; selbst wenn man es wollte.
Aber ich muß es gestehen, ich dachte um jene Zeit nicht mehr und noch nicht von neuem an eine Loslösung von meinem Dienst, nachdem mein/
/119/ AE: 83
/2 Zeilen bis zum Abschnitt unleserlich gemacht/
Am 27. September 1941 wird Heydrich zum Stellvertretenden Reichsprotektor für Böhmen und Mähren ernannt.
Des Ehrgeizigen und sehr Machthungrigen Wunsch, ist erfüllt: sein Sprung in das größere politische Geschehen.
Ich hörte ihn bei irgendeiner Gelegenheit einmal sagen, daß es ihm eine Genugtuung bedeute, aus dem Negativum der polizeilichen Tätigkeit, nunmehr in eine positive Aufbauarbeit gestellt zu sein.
Doch scheint diese, seine Erklärung ohne weiteren Belang gewesen zu sein, denn er behielt seine Stellung als Chef der Sicherheitspolizei und das SD auch weiterhin, in Personalunion, bei.
Darüber hinaus war er SS-Obergruppenführer und General der Polizei, Mitglied des Deutschen Reichstages, zeitweilig Vorsitzender der Internationalen Kriminalpolizeilichen Kommission, um einige seiner wichtigsten Funktionen und Titel zu nennen.
Sein geheimes Ziel aber war die Verdrängung Ribbentrops, und sich selber als Reichsaußenminister sehend. Dazu sollte ihm das Sprungbrett in die hohe Politik, als des Reiches Protektor für Böhmen und Mähren, dienen.
Er hatte sich als Architekt das Gebilde eines Reichssicherheitshauptamtes geschaffen, daß(sic)
/120/ AE: 84
er in zäher Kleinarbeit, aus kümmerlichen Anfängen heraus, zu jener mächtigen Institution ausbaute und als dessen Chef und Beherrscher er als Person schlechterdings unangreifbar wurde.
Mut und Entschlossenheit, gepaart mit Draufgängertum war ihm keineswegs abzusprechen gewesen, besonders wenn es sich darum handelte seinem Ehrgeiz und seiner Eitelkeit zu frönen.
Er wollte sich in den Besitz von Tapferkeitsauszeichnungen setzen.
Zu diesem Zweck ließ er sich in seiner knappen Freizeit über seine Beziehungen, in die Uniform eines Luftwaffenmajors stecken und an einer Messerschmitt ausbilden. Tatsächlich beteiligte er sich dann auch als Jäger an Kämpfen über dem Kanal, schoß einige Feindflugzeuge ab, und erhielt Frontflugspange und Eisernes Kreuz. Himmler verbot ihm daraufhin jedwede weitere Fliegerei.
Auch diesen Wunsch hatte er sich also erfüllt.
Auf einer Pressekonferenz in Prag, hatte Heydrich sich in seiner impulsiven Art dazu hinreißen lassen, einen unmöglich kurzen Termin für die Entjudung Böhmens und Mährens zu nennen.
Um seinen Worten einigermaßen nachkommen zu können, wurde in der Folgezeit Theresienstadt von deutschen Truppen, welche dort in Garnison lagen geräumt und die echische Zivilbevölkerung durch das
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zuständige Ministerium der Protektoratsregierung, umgesiedelt.
Ein vorliegendes Dokument, beschreibt die Besprechung mit Heydrich, an der auch ich teilnahm. Ich habe das Original nicht gesehen. Das mir zur Verfügung stehende Dokument eine Ablichtung zeigt weder Briefkopf noch Tagebuchnummer, weder Signum noch Unterschrift, so daß ich nicht zu ersehen vermag, wer diese Notitzen(sic) machte, von welcher Dienststelle sie gemacht wurden; kurz, ich kann dieses Dokument solange nicht als amtlich ansehen, solange ich das Original nicht gesehen habe. Hinzu kommt, daß ich die Angelegenheit anders in Erinnerung habe; wenngleich ich nicht behaupten will, daß nach so langer Zeit, es sind inzwischen zwanzig Jahre mit all ihrer Turbulenz darüber hinweggegangen, meine Erinnerung untrüglich wäre. [18]
Heydrich frug auch mich in jener Zeit um meine Meinung, wie ich mir nun er sich einmal als Reichsprotektor festgelegt habe eine Lösung vorstelle. Er frug Dutzende von Personen und Stellen. Ich sagte ihm, er möge eine Stadt mit genügendem Hinterland zur Verfügung stellen. In diese(sic) Stadt könnten die Juden von Böhmen und Mähren angesiedelt werden; das Hinterland hat die benötigten landwirtschaftlichen Produkte zu liefern. Die laufende Auswanderung würde im Laufe der Jahre das Problem
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sodann von selbst lösen. So geschah es dann auch; jedoch ohne Hinterland.
/1 nachträglich hinzugefügte Zeile gestrichen und unleserlich gemacht/
Die wenigen hundert Hektar Land waren zu wenig und die Auswanderung war inzwischen auch verboten worden. Hinzu kam, daß in der Folgezeit alle möglichen Partei- und Staatsdienststellen des Reichsgebietes, in der Drängelei, ihre Juden los zu werden, Himmler in den Ohren lagen, ihrerseits Juden nach Theresienstadt schicken zu können. Hinzu kam ferner, daß Himmler /1 Zeile unleserlich gemacht/ eines Tages befahl, Theresienstadt zu einem Muster-Alters-Ghetto umzugestalten, um hier dem Ausland zu zeigen, wie das Deutsche Reich die Judenfrage löse. Es war dies eine der von Himmler befohlenen Tarnungen. /zweieinhalb Zeilen bis Ende des Abschnitts unleserlich gemacht/
Theresienstadt war dem Befehlshaber der Sicherheitspolizei und des SD, in Prag unterstellt. [19] Der Befehlshaber wiederum unterstand einmal für Angelegenheiten des Protektoratsbereiches, dem Höheren SS- und Polizeiführer für Böhmen und Mähren, als dem bevollmächtigten Vertreter Himmlers, des Reichsführers SS und Chefs der Deutschen Polizei;
zum anderen demselben, in seiner Eigenschaft als Staatssekretär für das Sicherheitswesen in Böhmen und Mähren. Es war dies der SS-Gruppenführer und Generalleutnant der Polizei und der Waffen SS, K. H. Frank.
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Zum dritten hatte der Befehlshaber der Sicherheitspolizei in Prag die Befehle des Reichssicherheitshauptamtes zu beachten, soferne ihnen Reichshorizont zuzumessen war, und Frank kein Veto einlegte.
Bis zum Tage, an dem gegen Heydrich die Bombe geworfen wurde, an deren Splitterverwundung er am 5. Juni 1942 starb, befahl auch Heydrich als Chef der Sicherheitspolizei und Reichsprotektor, seinem Befehlshaber der Sicherheitspolizei in Prag, unmittelbar.
/Zusatz von Seite gegenüber: Es war eine komplizierte Stellung, alleine schon im Hinblick auf die Befehlswege und die dadurch bedingten Kontrollmöglichkeiten./
Von Zeit zu Zeit traten die Dienststellen der Sicherheitspolizei auf Drängen der örtlichen Vorgesetzten oder der parteilichen Instanzen, an das Reichssicherheitshauptamt heran, eine vorgeschlagene Anzahl von Juden zwecks Auflockerung der Besiedlungsdichte in Theresienstadt, nach dem Osten zu deportieren, denn die Auswanderung von Juden in europäische oder außereuropäische Länder, war von Himmler mit Wirkung vom 10. Oktober 1941, verboten worden.
Solche Ansuchen konnte nur Himmler persönlich entscheiden und daher wurden sie entweder vom Amtchef IV des Reichssicherheitshauptamtes, meinem inzwischen unmittelbaren Vorgesetzten, SS Gruppenführer und Generalleutnant der Polizei Müller, oder von dem Nachfolger Heydrichs, dem SS Obergruppenführer und General der Polizei und der Waffen SS, Dr. Kaltenbrunner, als Chef der
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Sicherheitspolizei und des SD, unterschrieben, an Himmler weitergeleitet.
Dieser genehmigte oder verwarf. [20]
Ich sagte, daß die Einrichtung und der Betrieb des Ghettos Theresienstadt von Himmler zur Tarnung befohlen wurde. Also wurden alle Ansuchen, welche die Dienststellen des Roten Kreuzes, bei den zuständigen Reichsstellen, wie dem Auswärtigen Amt, insoweit es sich um das Internationale Rote Kreuz handelte oder bei der Kanzlei des Führers oder Reichskanzlei, sofern der Antrag vom Deutschen Roten Kreuz ausging, über Himmler geleitet, der als letzte Instanz erlaubte oder verbot. So wurde Theresienstadt im Juni 1943 von dem Generalhauptführer des Deutschen Roten Kreuzes, Hartmann besucht, als Vertreter des Herzogs von Koburg, /fast 2 Zeilen unleserlich gemacht/ und am 5. April 1944, von einer Kommission des Internationalen Roten Kreuzes selbst. [21]
Auch ich nahm an diesen Besichtungen(sic) befehlsgemäß teil. Es ist natürlich heute leicht zu sagen, ja hätten Sie denn damals den Kommissionen nicht sagen können, ist ja alles Schwindel, ist ja alles Tarnung Himmlers, der damit die Weltöffentlichkeit irre führen will.
Abgesehen davon, daß ich unter Eid stand; abgesehen davon, daß die Tatsache der Judentötungen im Juni 1943 auch im Ausland unwiderlegbar bekannt war und es im April 1944 bereits alle Spatzen vom Dach pfiffen; abgesehen von der Tatsache ferner, daß ich an die nächste Mauer gestellt worden wäre, um erschoßen zu werden, abgesehen von
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diesem allen, was hätte es der Sache genützt? Ich konnte ja nichts abstellen, genauso, wie ich nichts in Gang setzen konnte.
Es waren in der ganzen Judenangelegenheit zu viele Befehlsgeber eingeschaltet. Angefangen von Hitler über Himmler, Heydrich und Kaltenbrunner, über Krüger, dem Höheren SS- u. Polizeiführer im Generalgouvernement; den Einsatzgruppenchefs im Osten, den SS Generalen Nebe, Rasch, Ohlendorf, Stahbecker(?), Jaeckeln und andere; den SS Generalen Globocnigy, Katzmann und andere im Generalgouvernement; dem Oberdienstleiter Brack /Schreibung dieses Namens auf Seite gegenüber verdeutlicht/ in der Kanzlei des Führers; dem SS General Pohl, den Höheren SS- und Polizeiführern im Reichsgebiet und den besetzten Gebieten; den Gauleitern und Reichsstatthaltern, den Reichsleitern, dem Reichsminister des Auswärtigen; dem Reichspropaganda- und Reichsjustizminister; dem Chef des Oberkommandos der Wehrmacht; und andere mehr.
Was schon hätte hier ein Mann mit dem Dienstgrad eines Oberstleutnants zu tun vermocht?
Nichts!
Die doppelte und dreifache jederzeitige Kontrollmöglichkeit, seitens der Vorgesetzten, denen ein jeder Befehlsempfänger, ohne jede Ausnahme, innerhalb des Gebildes der Sicherheitspolizei unterworfen war, sorgte ebenfalls für eine linientreue Beibehaltung des von der Führung vorgeschriebenen Kurses.
Und dieses automatisch arbeitende Kontrollsystem die Skizzen welche dieser Arbeit angehangen sind, veranschaulichen dies nicht nur innerhalb der Sicherheitspolizei, ermöglichten es den Göttern mit, zu Götzen zu werden.
/am Rand Verweis auf: Skizzen/
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/128-129/ AE: 90-90a
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Aus Gründen der besseren Übersicht bin ich mit meinen Betrachtungen, soweit es sich um Böhmen und Mähren handelte, der Zeit vorausgeeilt. Ich muß daher jetzt wieder etwas zurückschalten, um den Betrachtungen nachkommen zu können, was sich inzwischen außerhalb des Protektoratsbereiches zugetragen hatte.
Wir schreiben den 1. September 1939.
Um fünf Uhr früh haben sich die deutschen Divisionen in Richtung auf Polen in Bewegung gesetzt.
Deutsche Sturzkampfbombergeschwader belegen die polnischen Bereitschaftsstellungen mit Bomben.
Die Summe der deutschen, englischen und französischen Unvernunft in der Polenfrage, ließen(sic) es zum Kriege gegen dieses Land kommen. Die Tragik des Schicksals hatte den polnischen Marschall Pilsudsky zu früh sterben lassen. Unter seiner Staatsführung, wäre es nie und nimmer zum Kriege gegen dieses Land gekommen.
Die Furie des Krieges raste durch Polen und nach einigen Wochen standen sich an der Demarkationslinie sowjetrussische MWD-Beamte, deutsche Geheime Staatspolizeistellen, sibirische Infanterieregimenter und deutsche Grenadiereinheiten, in fast friedensmäßiger Grenzsicherung gegenüber.
/Einschub von Seite gegenüber (gekennzeichnet als 90a):
Am 21. September hatte Heydrich seine Amtchefs und in Polen tätigen Einsatzgruppenchefs zu einer Besprechung nach Berlin zusammengerufen.
Auch ich bin in der Anwesenheitsliste eines Protokolls erwähnt, aber ich war um diese Zeit noch gar nicht in Berlin und ebensowenig war ich Einsatzgruppenchef. (Dieses Dokument trägt im übrigen auch weder Unterschrift noch Signum. Freilich lag mir nicht das Original, sondern nur eine Photokopie vor.)
Es muß sich um einen Irrtum handeln; ich habe an dieser Besprechung nicht teilgenommen. Mein ehemaliger Vorgesetzter, Prof. Dr. Six, der an dieser Besprechung teilnahm, wurde dieserhalb als Zeuge 1961 in Deutschland befragt. Er erklärte, daß ich an keinerlei Amtchefbesprechungen teilgenommen habe. Mein Vorgänger in Berlin, ein Regierungsrat Lischka unterschrieb noch am 16. Oktober des gleichen Jahres, Schreiben seines Dezernates, die Reichszentrale für jüdische Auswanderung betreffend. Dr. Löwenherz stellte in seiner Aktennotitz(sic) vom 17. Dezember 1939 erstmalig fest, daß ich ihm mitgeteilt habe, daß ich nunmehr die Reichszentralstellengeschäfte zu bearbeiten habe.
Also hatte ich vordem dienstlich in Berlin nichts zu suchen. Ich arbeitete in Wien und Prag in den Auswanderungszentralstellen.
Heydrich hatte in dieser angeführten Besprechung die Ghettoisierung der Juden im Generalgouvernement befohlen./
Am 6. Oktober verkündet Hitler die Nationalisierung der neu zum Reich hinzugekommenen Ostprovinzen und be-
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auftragt mit der Durchführung Himmler, unter Ernennung zum Reichskommissar für die Festigung deutschen Volkstums. Als Chef der Deutschen Polizei und als Reichsführer SS, hatte er in organisatorischer Hinsicht außer einem Vermögensträger keine andere neue diesbezügliche Institution zur Durchführung der ihm von Hitler übertragenen zusätzlichen Aufgabe nötig. Die Regierungsstellen des Generalgouvernements, wie der deutsche(sic) besetzte polnische Teil nunmehr hieß, waren bereits im Aufbau.
Als Vermögensträger über das gesamte Vermögen bewegliches und unbewegliches - der im Zuge der Nationalisierung zu Deportierenden, fungierte die um jene Zeit errichtete Haupttreuhandstelle Ost.
Die Deportationen erfolgten nach dem Generalgouvernement.
Am 30. Oktober erteilte Himmler folgenden Befehl: In den Monaten November und Dezember 1939, sowie in den Monaten Januar und Februar 1940, sind folgende Umsiedlungen vorzunehmen:
1.) Aus den ehemals polnischen, jetzt reichdeutschen Provinzen und Gebieten, alle Juden.
2.) Aus der Provinz Danzig-Westpreußen, alle Kongreßpolen
3.) Aus den Provinzen Posen, Süd- u. Ostpreußen und Ostoberschlesien, eine noch vorzuschlagende Anzahl besonders feindlicher
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polnischer Bevölkerung.
4.) Der Höhere SS- u. Polizeiführer Ost (Generalgouvernement), gibt die Aufnahmemöglichkeiten des Gouvernement für die Umzusiedelnden bekannt und zwar getrennt nach Kreishauptmannschaften und größeren Städten.
5.) Die Höheren SS- u. Polizeiführer Weichsel, Warthe, Nordost, Südost und Ost, bzw. die Inspekteure und Befehlshaber der Sicherheitspolizei, legen gemeinsam den Umsiedlungsplan fest.
6.) Verantwortlich für den Abmarsch und für den Transport ist der Höhere SS- u. Polizeiführer innerhalb seines Gebietes; verantwortlich für die Unterbringung im neuen Wohngebiet ist die polnische Verwaltung bzw. Selbstverwaltung. [22]
Dies war der erste Deportationsbefehl. Dutzende sollten ihm noch folgen. Im Zuge dieses Befehles setzten sich die angeschriebenen SS und Polizeigeneräle am 8.11.1939 beim Generalgouverneuer in Krakau zu ihrer ersten Beratung zusammen. Ihre Besprechungspunkte waren die von Himmler befohlene Unterbringung und Ansiedlung von in das Reich zu nehmenden Volksdeutschen, aus den Baltenländern und Wolhynien, sowie die Deportierung von Juden und Polen.
Der General der Polizei Krüger, der Höhere SS- u. Polizeiführer Ost (Generalgouvernement) führte denVorsitz; der Generalmajor der Polizei,
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SS-Brigadeführer Streckenhach(?), der Befehlshaber der Sicherheitspolizei im Generalgouvernement war mit der Zentralplanung der Ansiedlung und der Deportation im Ostraum beauftragt. Er hatte auch gemäß den ihm erteilten Weisungen, die Verhandlungen mit der Reichsbahn, zwecks Zurverfügungstellung von Transportzügen zu verhandeln. Dieser Besprechung zufolge sollten bis Ende Februar 1940, rund 1 Million Juden und Polen aus den neuen Ostprovinzen in das Generalgouvernement deportiert werden. Eine Zahl, welche in der Praxis infolge der auftretenden Schwierigkeiten, in dem gesteckten Zeitraum auch nicht annähernd eingehalten werden konnte.
Heydrich schaltete sich jetzt als Chef der Sicherheitspolizei und des SD, persönlich mit in diese Angelegenheit ein und zergliederte das Gesamtvorhaben in mehrere Nahpläne; er stellte die Zuständigkeiten für Deportation und Zielstationen im Einzelnen fest.
Aus welchen Orten der Abtransport erfolgt, habe der zuständige Inspekteur der Sicherheitspolizei zu bestimmen, im Auftrage des Höheren SS- u. Polizeiführers. Ebenso bestimmt dieser nach Vorschlag der Landräte, wann und wieviel Personen aus den einzelnen Kreisen abgeschoben werden.
Der Befehlshaber der Sicherheitspolizei in Krakau hat im Auftrage des Höheren SS- u. Polizeiführers die Zielstationen für die Transporte bekannt zu geben.
/Einschub von Seite gegenüber: Ehrgeiz, Geltungsbedürfnis und Machthunger feierten in diesen Wochen und Monaten Triumpfe(sic). Jeder der örtlichen Hoheitsträger war entschlossen, sein Maximum an Zuständigkeit in das Treffen zu werfen und hieraus diktatorische Rechte abzuleiten. Ein örtlicher Befehl jagte den anderen. - /
Und jetzt ging es los.
Alles stürzte sich auf die Arbeit.
Jedem ging es zu langsam.
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/Die ersten 4 Zeilen nachträglich hinzugesetzt: Die Zuständigkeiten überschnitten sich oft und die daraus resultierenden Schwierigkeiten wurden nicht beobachtet, denn jeden der Hoheitsträger beselte(sic) ausschließlich lokaler Egoismus./
Ein heilloses Durcheinander war die Folge.
Falsche Zielbahnhöfe. Überbelegung der Züge. Mangelnde Nachrichtenübermittlung zwischen Absender und Transportempfänger.
Kopflosigkeit überall.
Der ganze Fahrplan kam in Unordnung. Die Leidtragenden waren die Ohnedies von der Deportierung Betroffenen.
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Im Dezember 1939 bekam ich Befehl, mich zur Dienstleistung in Berlin, bei dem Amtchef IV des Reichssicherheitshauptamtes, Müller zur Dienstleistung (sic) zu melden. Meine Bitte um Abstandnahme von meiner Person zur dienstlichen Verwendung in Berlin, unter Hinweis darauf, daß meine Familie in Wien lebe und sich auf eine Übersiedlung nach Prag vorbereite, mir Berlin daher aus diesem Grunde ungelegen sei, wurde abschlägig beschieden.
Wird man zum Truppendienst eingezogen, dann hat man sich, ohne mit der Wimper zu zucken, zu fügen; aber zum Zwecke einer behördlichen Dienstleistung glaubte ich einen solchen Antrag stellen zu können. Jedoch der Hinweis auf den Kriegszustand, ließ meinerseits keine weitere Rekursmöglichkeit mehr zu.
In Berlin war auf dem Papier schon seit Monaten eine Reichszentralstelle für jüdische Auswanderung gegründet worden. Ihr Leiter war, gemäß der Verfügung des Reichsmarschalls
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Göring, in seiner Eigenschaft als Beauftragter für den Vierjahresplan, Heydrich.
Zum Geschäftsführer bestellte Heydrich seinen Amtchef IV, Müller.
Des weiteren hatten noch gemäß Göring´scher Weisung, einige höhere Beamte des Innenministeriums, des Auswärtigen Amtes und der Dienststelle des Beauftragten für den Vierjahresplan, im Ausschuß dieser Reichszentrale tätig zu sein.
Ich bekam den Auftrag, nunmehr diese Dienststelle praktisch einzurichten, damit sie für den Parteienverkehr funktioniere, sowie gemäß den Weisungen des Geschäftsführers, die Dienstgeschäfte zu führen.
Des weiteren wurde ich mit der Koordinierung der Deportationstransporte betraut.
Die entprechende Verfügung erließ der Chef der Sicherheitspolizei und des SD am 21. Dezember 1939.
Meine Amtsbezeichnung war Sonderreferent IV R; das heißt Sonderreferent für Räumung im Amte IV des Reichssicherheitshauptamtes. [23] Die Bezeichnung Sonderreferent erklärt sich daraus, daß es ein neues Referat innerhalb des Amtes IV des Reichssicherheitshauptamtes war, also des Geheimen Staatspolizeiamtes, und der nächste etatmäßige Geschäftsverteilungsplan erst im Februar 1940 fällig war.
Ab dieser Zeit war ich sodann planstellenmäßiger Referent IV D 4, im Amt IV des Reichssicherheitshauptamtes. Ich hatte also von Anfang an keine anderen Befugnisse, als jeder der übrigen etwa 100 bis 150 Referenten des Reichssicherheitshauptamtes sie auch hatten.
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Nach etwa 1 ½ jähriger Unterbrechung hatte ich nun wieder in Berlin tätig zu sein.
Schade, ich wäre lieber in den Provinzen geblieben; und am liebsten in einer möglichst kleinen Provinzstadt. Aber mein Wille wurde nicht gefragt; ich hatte zu gehorchen.
Aber wer dachte um die weihnachtliche Zeit des Jahres 1939 schon daran, daß der Krieg weitergehen würde. Alles rechnete mit einer Regelung zwischen Deutschland, Frankreich und England. /1 ½ Zeilen unleserlich gemacht/
Ich las um jene Zeit Kant; die Kritik der praktischen Vernunft. Das mich Umgebende fand ich für mich unpraktisch und von Vernunft war nicht viel zu spüren.
Die Weihnachtsfeiertage verbrachte ich im Kreise meiner Familie. Meine Frau war über die Versetzung nach Berlin ärgerlich und erklärte mir sehr entschieden, daß sie keinesfalls nach Berlin zu ziehen gedenke. /1 Zeile unleserlich gemacht und ersetzt durch von Seite gegenüber: und sie hat ihren Willen auch durchgesetzt und zog nicht in die Reichshauptstadt um. Zwar hatten weder meine Frau, noch ich das Geringste gegen Berlin und die/ Berliner, im Gegenteil, wir verlebten von 1935 bis 1938 drei volle, glückliche Jahre in den Mauern der Reichshauptstadt, lernten sie lieben und mit ihr, die Berliner. Aber unser beider Animosität gegen große Städte, entsprang sicherlich den(sic) uns innewohnenden Hang zum Landleben, denn darin wuchsen wir beide ja auf; meine Frau, als Tochter eines Bauern, mehr noch als ich; obgleich auch mich tausend Stricke aus die(sic) Steinhaufen der
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Städte zog, wo der Blick nicht frei schweifen konnte, wo er dauernd an hundert mal hundert Ecken anstieß, wo der erdige Taugeruch mit den ersten Strahlen der aufgehenden Sonne nie hinkam; wo Vogelgezwitscherkonzerte nie stattfanden; wo man durch die Ordonnanz erst erinnert werden mußte, daß in 15 Minuten Sonnenuntergang sei und man sich daraufhin in den Wagen setzte, um 10 Minuten bis zum gewohnten Beobachtungsplatz zu fahren und dann 5 Minuten das Schaupsiel des glutroten Untergangens der Lebensspenderin genießen konnte. Fünf Minuten alleine; Ruhe; stilles Genießen. Oder wie war es selbst in Wien.
Ob Winter, ob Sommer, ob es schön war oder in Strömen vom Himmel herunter kam, ich konnte einfach die Kraft nicht aufbringen, mich hinter dem(sic) Schreibtisch zu setzen, ehvor ich nicht frühmorgens auf dem Kahlenberg gefahren war, um den angehenden Tag zu schauen.
Ich weiß, meine Kameraden von damals legten es als eine wunderliche Marotte von mir aus. Sie gewöhnten sich daran.
Als ich noch Feldwebel war und über keinen Wagen verfügen konnte, als ich allmorgentlich um Punkt halb acht, die Straßenbahn der Linie 21, von Berlin-Britz zum Anhalter Bahnhof, eine halbe Stunde
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benützen mußte, da ging ich eben früh genug von Hause fort, um einige Kilometer zu Fuß zu gehen. Nicht um des Fußmarsches wegen, aber es war da an einem Sägewerk eine Fichte gewachsen und diese Fichte inmitten des Häusermeeres, die tat es mir an. In ihr sah ich den Böhmerwald, die Wälder des Mühlviertlerlandes; schweigend, gründunkel, rauschend und raunend. Und indem ich mit dieser Fichte, einem Narren gleich, meine allmorgentliche(sic) Zwiespräche gehalten hatte, ward ich froh und innerlich heiter und frei. Gerne opferte ich ihr die morgendliche Zeit.
Drei lange Jahre sprach ich mit ihr; und sie kannte meinen Kummer, sie kannte meine Freude und auch mein Leid; meistens jedoch war es Freude. Auch hier gewöhnten sich meine Kameraden von damals daran, daß ich erst unterwegs auf die Straßenbahn zustieg, und an diese meine eigenbrödlerische Gewohnheit.
In dem Prozess gegen mich, hier in Jerusalem frug mich einer der Richter anläßlich des Kreuzverhöres, ob ich nach dem Kant´schen Imperativ gelebt habe.
Frei konnte ich sagen, jawohl ich habe mich zumindestens bemüht nach der Kant´schen Forderung mein Leben auszurichten, beziehungsweise, nach
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ihr zu leben. Ich war zumindestens bemüht, stets so zu handeln, daß die Richtlinien meines Willens, jederzeit zugleich als Prinzip einer allgemeinen Gesetzgebung hätten gelten können. /weitere anderthalb Seiten unleserlich gemacht, ersetzt durch Text von Seite gegenüber:
Allerdings hätte ich ab einem bestimmten Zeitpunkt erkannt, daß ich nach dem mir einsichtsmäßig innewohnenden Sittengesetzt(sic) nicht mehr handeln könne, da ich dazu nicht mehr Herr meiner Handlungsfreiheit war. Ich hätte danach handeln müßen. Dies stimmt. Es ist in der Theorie auch ganz leicht und schön zu sagen. Aber im wirklichen Leben, können Umstände eintreten, die einen daran hindern. Eine unbeschränkte Möglichkeit zum praktischen Handeln, ist dem Befehlsempfänger in Kriegszeiten nur in den selteneren Fällen möglich. Und nur in den selteneren Fällen entsprechen Befehle im Kriege dem Prinzip einer allgemeinen Gesetzgebung; dem mir innewohnenden Sittengesetzt(sic). Und dann unterhalte man sich einmal während des Krieges mit einem vorgesetzten SS General über die Ethik in diesem Zusammenhang. Er tritt dich in den Hintern!
Aber nicht nur in der SS alleine.
So sieht die Praxis aus.
Als weltfremder Narr wirst du verschrieben und entsprechend der Kriegsgerichtsordnung behandelt, weil der Gegner ja auch nicht psalmodierend und hosianasingend einherschreitet.
Man wird im besten Falle auf Fahneneid und Volksnotstand hinweisen und zur Ordnung gerufen.
Von einem praktischen Handeln also, kann da mangels Befehlsbefugnis seitens des Befehlsempfängers keine Rede mehr sein; was anderes ist seine innere Einstellung zu dem Geschehen, daß(sic) er als der Kant´schen Forderung zuwiderlaufend erkennt. Aber solches ist ohne Resultat nach außen hin./
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/ganze Seite 143 und die ersten sechseinhalb Zeilen auf Seite 144 unleserlich gemacht/
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Während meiner 1 ½ jährigen Abwesenheit von Berlin, also vom Frühjahr 1938 bis zum Spätherbst 1939, hatte sich das organisatorische Gefüge der Sicherheitspolizei und des SD, wesentlich verändert.
Die beiden Hauptämter Sicherheitspolizei und SD, wurden zu einer Zentrale vereinigt,